nach oben
30.01.2009

Präsident Barack Obama krempelt die US-Politik um

Was war das für ein Auftakt: Jeden Tag ein Paukenschlag – so lässt sich wohl am treffendsten die erste Phase der Präsidentschaft des Barack Obama beschreiben. Kaum im Amt, kündigt er das Ende des Gefangenenlagers in Guantánamo an. Es folgen Grundsatzerklärungen zur Klima- und Energiepolitik und dem Verhältnis der Vereinigten Staaten zur muslimischen Welt. Und nebenbei treibt der Demokrat das gigantische Rettungspaket für die schwer angeschlagene US-Wirtschaft voran. Nie zuvor in der jüngeren Geschichte hat ein neuer Präsident in so kurzer Zeit ein derartiges Tempo vorgelegt und dabei auch noch mit allen wesentlichen Bestandteilen der Politik seines Vorgängers gebrochen.

Bei der Arbeit

Obama bleibt auch nichts anderes übrig: Die Euphoriewelle, die ihm ins Amt geholfen hat, muss er reiten, solange sie ihn trägt. Erstaunlich ist es dennoch, welches politische Feuerwerk der Neue abbrennt. Eine gewisse Eingewöhnungsphase wäre ihm sicher sogar von seinen Gegnern zugestanden worden, die nur darauf warten, dass Obama Versprechen brechen muss, weil er sich an seiner gewaltigen Agenda verhebt.

Sicher: Es wird passieren, dass er Ziele später als geplant oder gar nicht erreicht – dennoch wird ihm das weniger schaden als manche glauben. Obama hat gelobt, dass er sich anstrengt, aber er hat auch immer wieder betont, dass der Weg lang, hart und beschwerlich wird. Solange er vermittelt, dass er in seinen Bemühungen nicht nachlässt, werden seine Anhänger ihm treu bleiben. Das ist der Obama-Effekt: Seine Macht beruht nicht in erster Linie auf dem Amt, sondern auf einer in der Politik nie dagewesenen Glaubwürdigkeit. Dieser Präsident wäre auch ohne Weißes Haus und alle anderen Insignien der Macht denkbar. Nicht zufällig ist seine größte Sorge, dass ihn die „Blase“ des gewaltigen US-Politikbetriebs schluckt – sein Zauber wäre dahin und damit auch die Kraft, wirkliche Veränderungen anzustoßen.

Obama kann nur scheitern, wenn er sich nicht treu bleibt. Denn den Superhelden, den viele in ihm sehen, hat er nie dargestellt. In den USA regiert ein Mann, der die Instrumente der Macht geschickter nutzt als andere und auf dem Weg ins Weiße Haus ein Mensch geblieben ist – das ist die simple Formel des Erfolgs. Noch verwunderlicher als das Phänomen Obama ist deshalb, dass wir ihn überhaupt als Phänomen empfinden – wo er doch eigentlich nur so ist, wie gute Politiker eben sein sollten.

Der neue Präsident wird seinen Weg gehen, und es wäre schon sehr verwunderlich, wenn er eine Art Entzauberung erfahren würde. Zu konsequent ist dieser Auftakt und zu kraftvoll seine Botschaft. Obama macht in seinen ersten Tagen einfach da weiter, wo er vor seinem Amtseid aufgehört hatte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger war von diesem Mann zu erwarten.