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29.12.2008

Profite der Strombranche

Wann flehen die großen Stromkonzerne endlich mal um Hilfe? Warum? Na, wegen der Finanzkrise und den bösen EU-Klimaschutz-Auflagen! So gut wie die verdienen, müsste doch eigentlich jede Sekunde das große Wehklagen beginnen. Die Autoindustrie hat es doch so schön vorgemacht, oder?

Zynismus beiseite: Haben Sie Ihre Stromkostenabrechnung für 2008 schon beglichen? Spätestens dann lachen nämlich nur noch die Stromriesen, die laut einer Studie der Uni Saarbrücken – man hat es längst geahnt – ihre Kunden wie die Weihnachtsgänse ausnehmen. Aufs Kartellamt können die deutschen Verbraucher offensichtlich lange warten. Und auf die Politik erst recht.

Bislang jedenfalls haben sich die zaghaften Versuche, den Strommarkt besser zu regulieren, als wirkungslos erwiesen: Das Gesetz, mit dem das Bundeskartellamt seit 2007 zur Preissenkung bei Verdacht auf eine unsachgemäße Begründung pochen sollte – verpufft. Der von EU-Seite erzwungene teilweise Verkauf des Stromnetzes – bisher ohne Folgen.

Dabei ist von der EU-Kommission noch am meisten Widerstand gegen die unsinnige Preistreiberei zu erwarten. Brüssel versuchte die Konzernen jüngst immerhin zu reduzierten CO2-Emissionen zu zwingen – durchgesetzt wurde allerdings nur das kleine Klima-Paket, auch dank einer sich heftig wehrenden Bundesregierung. Und übrigens: Das Jammern ließ dennoch nicht lange auf sich warten. Die deutsche Stromwirtschaft hat schon mal vorsorglich angekündigt, ohne saftige Preiserhöhungen seien die ab 2013 wirksamen EU-Klimabeschlüsse nicht zu machen...

Es drängt sich der Verdacht auf, dass Lobbyisten der Berliner Regierung ihre Politik diktieren: Reflexartig stellt diese sich schützend vor die Stromkonzerne, sobald von irgendwelchen Einschränkungen die Rede ist. Im Endeffekt sind die Verbraucher die Dummen. Die zahlen nämlich auch dann, wenn die Stromriesen eines Tages für ihre Vernachlässigung in Sachen Klimaschutz bezahlen müssen. Die Verbraucher zahlen einfach immer.

Wenn Politik und Behörden nur zuschauen, bleibt nur die Rache des kleinen Mannes. Die heißt: Wechseln, dorthin wo es billiger ist – oder wo der Strom auf umweltverträgliche Weise hergestellt wird. Das darf dann auch was kosten.