


Wer es nicht über die Medien erfährt, der erfährt es eben auf dem nächsten Fasching: Auf der großen Prunksitzung der Pforzheimer Faschingsgesellschaft (PFG) im vollbesetzten Congresszentrum wurde mancher Seitenhieb verteilt: etwa durch Sitzungspräsident Gerd Grochtdreis, der als deutscher Michel im Schlafrock und einem Euro-Rettungsschirm die Bühne betreten hatte, um gegen die Islamisierung Europas, Thilo Sarrazin, die Piratenpartei, das Dschungelcamp und Guido Westerwelle in der Damensauna zu wettern.
Auf Wolke sieben der Nostalgie schwebte hingegen der zweite Redner: so war Roland Winter als Pfälzer Bauer extra von der anderen Seite des Rheins nach Pforzheim gekommen, um ein wenig an die gute alte Zeit zu erinnern. „Des hat´s frieher net gegewwe“ lautete der Titel des Vortrags, womit vor allem die zahlreichen Anglizismen der heutigen Zeit aufs Korn genommen wurden.
Mit Floskeln wie „Hast Du E10 in Deinem Tank, wird der Wald erst richtig krank“ setzten die Vertreter des Ottenauer Karnevalsvereins noch einen drauf: 15 Herren in bunten Fracks, die so manchen Ohrwurm zu Acapella-Stücken mit bitterbösen Texten umgearbeitet hatten. Neben einem ironisierten Hoch auf Griechenland bekam einmal mehr der Bundesaußenminister sein Fett weg: im Abgesang auf die FDP, spöttischerweise auch „Gute Nacht, Guido“ benannt, wurde das eher romantische „Something Stupid“ von Nicole Kidman und Robbie Williams schnell zur zynischen Farce.
Dennoch: an Hans-Ulrich Rülke und Erik Schweikert schienen die satirischen Giftpfeile weitgehend wirkungslos zu bleiben, konnten die beiden Enzkreis-Liberalen dem Ganzen trotz des momentanen Stimmungstiefs auch humoristische Aspekte abgewinnen. Zu den weiteren Ehrengästen zählten neben Oberbürgermeister Gerd Hager unter anderem der Bundestagsabgeordnete Gunter Krichbaum, die Landtagsabgeordnete Marianne Engeser (beide CDU) sowie diverse Stadträte.
Für seine langjährige Zusammenarbeit mit der PFG erhielt Eugen Ruhl die silberne Ehrenmedaille der Stadt Pforzheim. Der deutschlandweit bekannte Graveurmeister hatte auch für 2012 den aktuellen Jahresorden entworfen, der unter anderem die Automobil-Pionierin Bertha Benz und einen roten Sportwagen zeigt.
Autor: Alexander Jähne






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