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24.06.2008

Qualitätsoffensive Gymnasium

Es ist schon ziemlich mutig von Kultusminister Helmut Rau (CDU), das gestern vorgestellte G-8-Reparaturset ausgerechnet „Qualitätsoffensive Gymnasium“ zu taufen. Wer mit einem so bescheidenen Bündel von Maßnahmen bewaffnet ist und eine solche Mammutaufgabe angeht, riskiert nicht nur Scheitern, sondern auch Hohngelächter.

Berücksichtigt man die verkorkste Ausgangslage und seine finanziell und politisch höchst beschränkte Handlungsfreiheit, hat Rau vielleicht das Beste getan, das jetzt überhaupt noch möglich war. Alle Beteiligten – Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleiter und Bildungsexperten – wurden seit Sommer 2007 eingebunden, um den Ursachen der Probleme an den Gymnasien auf die Schliche zu kommen.
Die Erkenntnis: Wo findige Schulmanager zugange sind, die von ihren Kollegien Unterricht und Teamarbeit nach den neuen Bildungsplänen einfordern, die Eltern und Ehrenamtliche zur Hausaufgabenbetreuung und für den Ganztagesbetrieb einbinden und die dazu mit kargen Mitteln gut haushalten können, gibt es deutlich weniger Probleme. Der Kultusminister darf es aber nicht zulassen, wenn dies aus unterschiedlichen Gründen nicht der Fall ist. Und schon gar nicht dürfen das die Schüler und Familien ausbaden.
Nicht jeder Rektor will oder kann ein guter Schulmanager sein, der die organisatorischen und pädagogischen Freiheiten, die Gymnasien neuerdings genießen, für seine Schule optimal zu nutzen versteht. Aber genau diese Gymnasien werden sich auch mit der neuen „Qualitätsoffensive“ schwer tun. Da kann Kultusminister Rau den Schulen noch so viele Freiheiten geben – die Verantwortung dafür, was sie daraus machen, bleibt bei ihm allein.