

DURBAN/PFORZHEIM. Die deutsche Youngster-Truppe hat mit einem Schützenfest gegen Australien eine Duftmarke bei der Fußball-WM gesetzt und in der Heimat eine schwarz-rot-goldene Euphoriewelle losgetreten. In Pforzheim und in der Region ist beim Public Viewing einiges los.
Beim dritthöchsten deutschen WM-Auftaktsieg, mit dem sich die DFB-Elf sofort an die Tabellenspitze der Gruppe D setzte, trafen am Sonntagabend vor 62 660 Zuschauern im Moses Mabidha-Stadion von Durban zunächst die Sorgenkinder Lukas Podolski (8. Minute) und Miroslav Klose (26.). Nach der Pause legten gegen nach der Roten Karte für Tim Cahill (56.) nur noch zehn „Socceroos“ Thomas Müller (68.) und der für Klose eingewechselte Cacau (70.) nach.
Mit dem klaren Erfolg legte die im 50. Spiel unter der Regie von Löw phasenweise begeisternd aufspielende DFB-Elf den Grundstein für das Achtelfinale, das mit einem weiteren Erfolg am Freitag in Port Elizabeth gegen die zum Auftakt von Ghana 1:0 bezwungenen Serben fast schon perfekt gemacht werden kann.
Das im Durchschnitt 24,8 Jahre junge deutsche Team weckte mit seiner Spielfreude Lust und Appetit auf ein tolles Turnier. Die Planung von Trainer Joachim Löw ging in allen Punkten auf. Sein Team spielte mit wenigen Ballkontakten variantenreich nach vorne und strahlte jederzeit Torgefahr aus. Als Kopf im Mittelfeld präsentierte sich der 21-jährige Mesut Özil, der an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt war.
Und wie schon bei der Euro 2008 gelang Podolski – damals zweifacher Schütze gegen Polen – ein Raketenstart. Dem 25-jährigen Kölner, dem Löw in Südafrika eine „Explosion“ zugetraut hatte, legte früh den Grundstein zum Erfolg. Noch erstaunlicher mutete die Steigerung bei Klose an, der nach zwei vergebenen Chancen die Enttäuschung wegsteckte und im richtigen Moment da war. Mit seinem 11. WM-Treffer rückte er in der Torschützenstatistik aller Endrunden an die fünfte Stelle zu Jürgen Klinsmann auf und war auch bei der dritten WM nacheinander im ersten Spiel erfolgreich. Schon 2002 beim 8:0 gegen Saudi-Arabien (3 Tore) und vor vier Jahren beim 4:2 gegen Costa Rica (2) hatte Klose ins Schwarze getroffen.
Als Organisator und Stabilisator des Teams überzeugte in seinem 75. DFB-Einsatz Bastian Schweinsteiger, dessen Abstimmung mit Nebenmann Khedira bestens klappte. Der Stuttgarter nutzte jede Gelegenheit, sich in die Offensive einzuschalten. Bayern-Youngster Thomas Müller, dem Löw in einer „knappen Entscheidung“ (Co-Trainer Hansi Flick) den Vorzug vor dem Hamburger Piotr Trochowski gegeben hatte, rechtfertigte seinen Einsatz mit dem dritten Treffer und der Vorarbeit zum 1:0.Bei den nicht so defensiv wie erwartet spielenden „Socceroos“ blieb überraschend Star-Stürmer Harry Kewell draußen, dafür schickte Coach Pim Verbeek Cahill als einzige Spitze ins Rennen. Für Gefahr sorgte aber in erster Linie Richard Garcia, mit dem die deutsche Abwehr einige Male Probleme hatte.
Beim größten Public Viewing in Pforzheim verfolgten rund 5000 Fans der deutschen Mannschaft das Auftaktspiel von Jogis Jungs. Schon lange vor dem Match waren die Bänke rund um ein Dutzend Bildschirme rappelvoll besetzt – wie bei der WM vor vier Jahren höchstens ab dem Viertelfinale, so Biergartenwirt Frank Daudert.
Ein Schrei der Erlösung ging bei Podolskis Führungstor durch die Massen – wie am „Goldstadtstrand“ am Zusammenfluss von Enz und Nagold. Das PZ-Team erlebte dort – wie Hunderte Fans – das erlösende Platzen von Kloses Knoten.
Im Kulturhaus Osterfeld drängten sich etwa 200 Fans im Malersaal vor der größten Nicht-Kino-Leinwand Pforzheims. Im „Schlosskeller“ schließlich, der Kultstätte von Fußball-Übertragungen, floss das Freibier reichlich. Die Menschen gerieten in wahre Freudentaumel, sangen „Oh, wie ist das schön“ und „So sehen Sieger aus“, ehe das Hupen der Autos durch die Stadt tönte.





Das lesen Abonnenten am Donnerstag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":
Leserkommentare (40)
Mehr KommentareWir freuen uns schon auf den Abpfiff; denn da ist das ganze Kasperlestheater endlich vorbei. Bei diesem Event ist doch nur wichtig: Partymachen und Geldverdienen. mehr...
wie schön, dass es doch wirklich zu JEDEM Thema Bruddler gibt mehr...
Ich konnte gestern Frankreich gegen Uruguay anschauen. Zunächst habe ich gedacht, der Fernsehton ist nicht in Ordnung. Doch dann erfuhr ich, dass wohl alle Spiele künftig ununterbrochen mit einem Dauerton unterlegt sind. Egal, was sich auf dem Spielfeld tut, es wird geblasen. Die Bild schreibt heute: Das also ist der Sound der WM! Was für ein Tröt-Wahnsinn beim Auftaktspiel Südafrika gegen Mexiko (1:1). Der nervige Dauerton der Plastiktrompeten („Vuvuzelas“) erinnert an gewaltige ...... mehr...