

PFORZHEIM. Ein Kampf um Spendengelder und um das bessere Baby-Notarztwagen-System eskaliert in der Goldstadt zwischen dem Roten Kreuz Pforzheim und der Björn-Steiger-Stiftung in Stuttgart.
Die Steiger-Stiftung, die ihren ersten Baby-Notarztwagen im Jahr 1974 in Betrieb genommen hat und als Erfinder des Fahrzeugs in Deutschland gilt, möchte in Pforzheim Fuß fassen. Das DRK Pforzheim hat etwas dagegen und verteidigt sein Monopol.
Die Steiger-Stiftung hat nach eigenen Angaben für eine Million Euro eine Neu-Version des Baby-Notarztwagens nach modernsten medizinischen Erkenntnissen entwickeln lassen. Hierbei seien auch die Erfahrungen von Fachärzten eines internationalen Workshops in Philadelphia mit eingeflossen. Ein Vorgängermodell werde unter anderem beim DRK-Landesverband in Stuttgart erfolgreich eingesetzt. Die Stiftung wollte nach Angaben von Pierre-Enric Steiger, Präsident der Stiftung und Sohn des Stiftungsgründers, das Fahrzeug dem Klinikum Pforzheim kostenlos zur Verfügung stellen – inklusive der Übernahme der Betriebskosten samt Benzin. Gefahren werden müsse es aber von einer DRK-Besatzung aus Pforzheim, wobei auf dem Fahrzeug auch die Logos des DRK Pforzheim und des Klinikums Pforzheim mit angebracht würden.
Im Februar ist ein entsprechender Vertrag zwischen dem Klinikum und der Steiger-Stiftung unterzeichnet, aber später vom Klinikum wieder rückgängig gemacht worden, weil das DRK Pforzheim interveniert und der Steiger-Stiftung vorgeworfen hat, gegen das Rettungsdienstgesetz Baden-Württemberg zu verstoßen.
Dem widerspricht Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger: „Nach dieser Logik würden ja alle Baby-Notarztwagen in anderen Städten des Landes gesetzeswidrig sein und das DRK Stuttgart seit 1974 gegen das Gesetz verstoßen, was natürlich nicht der Fall ist.“
Steiger wirft dem DRK vor, keinen Mitkonkurrenten um Spendengelder in Pforzheim haben zu wollen. Die Leidtragenden seien die Frühchen-Patienten, weil zeitlich nicht absehbar sei, wann ein Baby-Notarztwagen komme. Die Stiftung könne hingegen noch in diesem Jahr ein modernes Fahrzeug liefern. Das DRK Pforzheim müsse sich ferner fragen lassen, ob deren geplantes Baby-Notarztwagen-Modell die Steiger-Werte des aktiven Dämpfungssystems, die leise Schallakustik, das vibrationsfreie Ein- und Auslade-System und das gedämpfte Unterfahrgestell unter dem Inkubator aufweise. Beim DRK Pforzheim will derzeit niemand zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das DRK verweist auf den stellvertretenden Kreisgeschäftsführer Roland Peyer, aber der sei derzeit in Urlaub.
Bernd Zimmermann, Geschäftsführer des Klinikums Pforzheim, sagte, dass er eine einvernehmliche Lösung zwischen dem DRK und der Steiger-Stiftung gern gesehen hätte. „Wegen Schwierigkeiten in der Umsetzung sind wir gezwungen, dem Modell Priorität einzuräumen, das am ehesten eine Realisierung gewährleistet“, sagte er. Es sei schade, dass der gute Zweck zwischen verschiedenen Mühlen zerrieben werde. „Wir haben den Vertrag mit der Steiger-Stiftung rückgängig gemacht, um rechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen und nicht, weil wir vom Steiger-Modell nicht überzeugt gewesen wären“, so Zimmermann.
Autor: Roger Rosendahl





Das lesen Abonnenten am Donnerstag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":
Leserkommentare (46)
Mehr KommentarePasst zum Roten Kreuz. Ich spende auch deshalb bei der Steiger Stiftung. mehr...
also, also.... es ist ja wohl sch...egal wer das Fahrzeug betreibt, oder sonstirgendwie seine Farben oder Zeichen draufmalt. Fakt: das Fahrzeug kommt für umsonst, und somit gibt es hier doch eigentlich kein nein.....überhaupt in der heutigen Zeit. Mag sein das ich hier die Hintergründe nicht ganz durchschaue, aber so ein Hickhack...... Her das Ding damit den Frühchen in Pforzheim und Umgebung damit geholfen werden kann. Das zählt ! mehr...
Ist sich das DRK eigentlich bewusst, dass sie mit dieser Einstellung ihrem Verein Schaden zufügen. Das ist ja noch schlimmer als Kindergartnniveau. mehr...