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08.06.2009

Rettung für Acandor

Jeder Sozialhilfeempfänger, der staatliche Hilfe in Anspruch nehmen will, muss zuerst einmal das Ersparte aufbrauchen, bevor er ein Anrecht auf Stütze hat. Einige unbedeutende Freibeträge ausgenommen. Dies gilt selbst für jene Menschen, die unverschuldet arbeitslos geworden sind und keinen Job mehr bekommen. Durch dieses Prinzip verarmen auf Dauer zunehmend mehr Menschen der Kategorie Otto Normalbürger.

Es ist deshalb eine schallende Ohrfeige für jeden rechtschaffenen Hartz-IV-Empfänger, wenn steinreiche Aktionäre von solchen Unternehmen, die selbst verschuldet in die Bredouille geraten sind, nach dem Staat rufen – noch bevor sie ausreichend Mittel vom Vermögen aus der Privatschatulle zur Rettung eingesetzt haben.
Was spräche denn dagegen, wenn sich die milliardenschwere Quelle-Erbin Madleine Schickedanz durch eine satte Geldspritze für Arcandor aus ihrem mitverursachten finanziellen Sumpf ziehen würde? Warum geht die Konzernerbin Maria-Elisabeth Schaeffler nicht erst an ihr Privatvermögen, um den Größenwahn mit der Conti-Übernahme zu verantworten?
Dass die zum Arcandor-Konzern gehörenden Karstadt-Beschäftigten gestern protestiert haben, ist richtig. Schließlich geht es um die Schicksale Tausender von Familien. Falsch hingegen ist der Adressat der Demonstrationen: Der Staat ist weder Versicherung für gescheiterte Managementkonzepte noch Vermögensbewahrer potenter Großaktionäre. Darum: Erst das Ersparte aufbrauchen und dann den Staat um Hilfe bitten.