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19.02.2008

Rücktritt von Fidel Castro

Bisher hat Kuba im weltweiten Ansehen vom Charisma Fidel Castros profitiert. Der Glanz des „Máximo Líder“ hat das Elend, die Armut und die Menschenrechtsverletzungen weitgehend überstrahlt. Mit dem Rücktritt des letzten großen Revolutionärs wird nun endgültig der Schleier fallen. Unter Castros Bruder Raúl als Staatschef reduziert sich die liebenswerte, kleine, kommunistische Bastion vor den Toren Amerikas schlagartig auf ein armes, rückständiges Land, dessen Volk von der Regierung teilweise brutal unterdrückt wird. Das wird auch der neue Machthaber des Inselstaats wissen, der als pragmatischer und weniger ideologisch gilt, als sein Bruder Fidel. Der Rest der Welt darf auf eine vorsichtige Öffnung des Landes hoffen. Ein dramatischer Kurswechsel ist aber nicht zu erwarten, wenngleich Kuba wohl den Weg der in den 90er-Jahren begonnen Wirtschaftsreformen weitergehen wird. Denn sollte sich an den wirtschaftlichen Missständen auf Kuba nichts ändern, dürfte das Volk bald die Nase voll haben vom neuen Anführer. Von der Hass-Liebe für Fidel würde dann nur noch der Hass für Raúl übrig bleiben – und das könnte in einer neuerlichen Revolution enden.