nach oben
29.08.2008

Russland und die Krise im Kaukasus

Spielten Russland und die USA derzeit eine Partie Schach miteinander, der russische Präsident Dmitri Medwedew würde sich zurücklehnen, sein Gegenüber freundlich anlächeln und dennoch mit unüberhörbarem Triumph in der Stimme sagen: „Schach!“

Die derzeitige Krise im Kaukasus, sie hat für die russischen Strategen eine ganz andere Dimension als die eines regionalen Konfliktes: Der Kreml nutzt sie genauso geschickt wie brachial als Vehikel, das Russland den Weg zurück zum unbestrittenen Status einer Supermacht ebnen soll.

Adressat der Muskelspiele sind in allererster Linie die USA. Schon der Zeitpunkt entlarvt die wahren Absichten Russlands, das mit dem Zerfall des Sowjet-Reiches Anfang der 90er-Jahre weltpolitisch in die zweite Liga abgestiegen ist: Während US-Präsident George W. Bush rund um den Globus längst als „lame duck“ – vornehm zu übersetzen mit „handlungsunfähig“ – belächelt wird, ist der Wahlkampf um seine Nachfolge in vollem Gange. Und ganz gleich, ob der neue politische Kopf der Vereinigten Staaten in Zukunft nun Barack Obama oder John McCain heißt – Russland unterstreicht jetzt, von den USA und ihren Verbündeten in Zukunft wieder auf Augenhöhe behandelt werden zu wollen.

Dass die USA dabei derzeit in der Defensive stehen, ist der strategisch extrem einfach gestrickten Außenpolitik von US-Präsident Bush geschuldet. Irak, Iran, Afghanistan oder Nordkorea – an all diesen Brennpunkten sind die USA mittlerweile auf das wohlmeinende Verhalten Russlands angewiesen, das überall dort wieder in der Lage ist, nach Belieben zu zündeln.

Die notwendige Entschlossenheit hat der Kreml in Georgien demonstriert. Nächste Schritte: offen. Derartige Nadelstiche gehören unzweifelhaft zum Instrumentarium des Kalten Krieges – der ist damit wieder zurückgekehrt. Stellt sich also die Frage, wie weit die Situation eskaliert.
Ein zentrales Datum dürfte der 20. Januar 2009 werden: Dann wird der neu gewählte US-Präsident in sein Amt eingeführt. Er wird schnell und ganz entscheidend dazu beitragen müssen, die weltpolitischen Machtverhältnisse neu auszubalancieren – und das ausgerechnet vor dem Hintergrund, dass die Vormachtstellung der USA in den vergangenen Jahre Schaden genommen hat.

Dazu brauchen die Vereinigten Staaten Verbündete. Dass die zunächst in Europa zu suchen sind, liegt auf der Hand. Sie dürften allerdings auch in Russland selbst zu finden sein. Unter den steinreichen Wirtschafts-Oligarchen nämlich, denen wiederum ein weitreichender Einfluss auf Ministerpräsident Wladimir Putin nachgesagt wird. Denn eines ist auch klar: Wenn Panzer rollen, dann rollt etwas anderes nicht – der Rubel nämlich.