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19.05.2008

SPD-Ministerin empfängt den Dalai Lama

Was für ein peinliches Schauspiel: Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul trifft sich mit dem Dalai Lama – und ausgerechnet die SPD zetert so laut, als hätte sie sich zur Kanzlerkandidatin ernannt. Offensichtlich setzen SPD und die Berliner Koalition in Fragen der Menschenrechte allein auf Peking, wohlwissend, dass die Chinesen konsequent ihre Interessen durchsetzen – wirtschaftlich wie politisch.

Zur Erinnerung: Auch die früheren Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Klaus Kinkel (FDP) fanden nichts dabei, den Dalai Lama zu empfangen. 1990 wurde er sogar vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker empfangen. Heute verreisen wichtige deutsche Regierungspolitiker vorsichtshalber, damit sie nicht in Verlegenheit geraten: So ein Verhalten verdient nicht mal den Respekt der Besatzer. Denn auch Pekings Politiker wissen, dass die blutige Unterdrückung des tibetischen Volkes nicht allein mit Milliardenaufträgen schöngefärbt werden kann.
Die chinesische Armee hält Tibet seit 1951 besetzt. Seitdem betrachtet Peking die Region als eigene Provinz. Erst in jüngster Zeit schlug die chinesische Armee dort friedliche Proteste der Mönche nieder. Westliche Demokratien wie Deutschland gehen leider immer mehr dazu über, den Wert der Menschenrechte längs der Außenhandelsbilanz zu taxieren. Hätte Tibet sprudelnde Ölquellen wie – sagen wir – Kuwait, hätte sich bestimmt relativ schnell eine Koalition der Gerechten gefunden, denen das Schicksal der Mönche im Himalaja nicht egal ist.