Frankreichs Präsident muss nun um die Gunst der Rechten buhlen. Foto: Christophe Karaba
Frankreichs Präsident muss nun um die Gunst der Rechten buhlen. Foto: Christophe Karaba

Sarkozy setzt auf die Rechte

Paris/Berlin (dpa) - Nach seiner empfindlichen Schlappe in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl will Nicolas Sarkozy jetzt die extreme Rechte für sich gewinnen.

Nur mit ihren Stimmen kann er sich bei der Stichwahl am 6. Mai eine zweite Amtszeit im Élysée sichern und seinen sozialistischen Herausforderer François Hollande im letzten Moment noch abfangen. Hollande kam auf 28,63 Prozent der Stimmen - Sarkozy nur auf 27,18 Prozent.

Die Rechtsextremistin Marine Le Pen führte ihre Front National (FN) am Sonntag mit fast 18 Prozent auf Platz drei - und erzielte das bisher beste Ergebnis für die Partei bei einer Präsidentenwahl.

Angesichts des möglichen Sieges von Hollande reagierte die Börse in Paris am Montag mit deutlichen Kursverlusten. Der wichtige französische Aktienindex CAC-40 verlor bis zum Handelsschluss rund 3 Prozent. Zur Verunsicherung der Anleger kam noch die Regierungskrise in den Niederlanden hinzu. Zugleich stiegen die Zinsen für französische Staatsanleihen.

Hollande hat die Finanzmärkte im Wahlkampf zu seinem Gegner erklärt. Er will zudem eine Reichensteuer einführen und den Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin in der EU neu verhandeln. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte Sarkozy weiter ihre Unterstützung, ließ aber klarstellen, dass die Bundesregierung natürlich mit jedem anderen Präsidenten in Paris gut kooperieren wolle.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warnte die Bundesregierung davor, Sarkozy beim Werben um Stimmen aus dem rechtsextremen Lager zu unterstützen. «Man darf mit Rechtsextremen nicht gemeinsame Sache machen, auch nicht sozusagen hinter vorgehaltener Hand, auch nicht damit taktieren - weder im eigenen Land, noch darf man das mit Blick auf andere Länder», sagte Gabriel in Kiel, der mit dem Erfolg von Hollande Sozialdemokraten und Sozialisten in Europa im Aufwind sieht.

Sarkozy gab sich von Warnungen dieser Art unbeeindruckt. Bei seinem ersten großen Auftritt in der zweiten Wahlkampfrunde warb er offen um Globalisierungskritiker und Rechte. «Das Europa, das die Migrationsströme nicht reguliert, das seine Grenzen nicht verteidigt und das gleichzeitig seine Märkte ohne Gegenleistung öffnet, ist am Ende», sagte er bei einer Kundgebung in Saint-Cyr bei Tours. In der ersten Runde der Wahl hätten die Franzosen klar zu verstehen gegeben, dass sie genug von einer Globalisierung ohne Regeln hätten und kein durchlässiges Europa wollten. «Wir müssen dem Rechnung tragen», sagte Sarkozy. «Eine Grenze ist dazu da, um zu schützen.»

Hollande zeigte sich unterdessen siegessicher: «Wir werden die Präsidentenwahl gewinnen», sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in der Bretagne. Aller Voraussicht nach wird Le Pen ihre Wähler nicht dazu aufrufen, Sarkozy zu unterstützen. Dieser hofft dennoch - auch dank seiner Beteuerungen, er wolle illegale Ausländer künftig rasch abschieben lassen und notfalls auch die offenen Grenzen im Schengen-Raum wieder schließen - auf die Stimmen der rechten Wähler.

Der Chef der kommunistisch orientierten Linksfront, Jean-Luc Mélenchon, kam auf 11,11 Prozent und rief seine Anhänger bereits auf, gegen Sarkozy - also für Hollande - zu stimmen. Der Zentrist François Bayrou (9,13 Prozent), dessen Wählerschaft zum Teil Hollande und zum Teil Sarkozy zuneigt, hielt sich eine Wahl-Empfehlung noch offen.

Sarkozys enger Berater Henri Guaino warnte vor einer neuen Wirtschaftskrise, sollte Hollande gewinnen. «Es gibt die große Gefahr, dass wir den Weg der 30er Jahre noch einmal wiederholen. Mit einer Wirtschaftskrise, die sich zu einer weltweiten sozialen und politischen Krise entwickelt.» Deswegen müsse Sarkozy im Amt bleiben. «Ja, es gibt die Gefahr, dass das alles in einer Katastrophe endet», sagte Guaino. Sarkozy kündigte für den 1. Mai eine Veranstaltung seiner Partei über «die wirkliche Arbeit» an - ein Gegenmodell zu den Großkundgebungen der Gewerkschaften.

Die EU-Kommission macht die Wirtschafts- und Finanzkrise mitverantwortlich für den derzeitigen Erfolg von extremistischen Parteien in Europa. «Wegen der Krise gibt es große Unruhen. Das ist die Situation, in der extremistische Parteien Boden gewinnen», warnte ein Kommissionssprecher in Brüssel. In Brüssel blickt man auch kritisch auf Hollande wegen dessen Ablehnung des mühsam ausgehandelten Fiskalpakts.

Nach den Worten von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wird Deutschland auch bei einem Sieg von Hollande ein enge Zusammenarbeit suchen. Es sei gut, «dass die Stichwahl jetzt zwischen zwei ausgewiesenen demokratischen Kandidaten stattfindet, die für Europa und die deutsch-französische Freundschaft eintreten», erklärte Westerwelle.