

BERLIN/PFORZHEIM. Thilo Sarrazin soll raus aus der SPD. Der SPD-Bundesvorstand hat am Montag einstimmig bei nur einer Enthaltung das Parteiordnungsverfahren bekräftigt. Die Basis ist da eher gespalten.
Mehrere prominente Genossen hatten sich zuvor gegen einen Rauswurf ausgesprochen, darunter der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Ex-Bundestagsfraktionschef Peter Struck. Auch in der Region kommt das beschlossene Ausschlussverfahren nicht bei allen gut an: Morgen steht das Thema Sarrazin auf der Agenda des Pforzheimer SPD-Kreisvorstands, und Kreischef Ralf Fuhrmann ist schon gespannt auf die Diskussion.
Fuhrmann sagte am Montag: „Ich selbst halte das Verfahren für nicht erforderlich und nicht glücklich.“ Zwar müsse man dessen genetischen Thesen heftig widersprechen, aber: „Das muss man in der Partei austragen.“ Schließlich sei die SPD eine Volkspartei und habe in ihren Reihen noch mehr Mitglieder, die mit dem Wertesystem der Partei nicht übereinstimmten.
Das sehen andere Sozialdemokraten in der Region anders. Enzkreis-Vorsitzender Timo Steinhilper bringen die Sarrazin-Thesen über die Erblichkeit von Intelligenz in Rage: „Da störe ich mich ganz gewaltig daran. Meine Eltern sind auch keine Akademiker und mich gibt es trotzdem.“ Nicht nur das: Da diese in keinster Weise mit dem Menschenbild der SPD vereinbar seien, hält Steinhilper das Ausschlussverfahren für angemessen: „Eine Partei ist auch eine Wertegemeinschaft, und wir nehmen uns das Recht heraus, Leute auszuschließen.“
Ganz ähnlich sieht das Thomas Knapp, SPD-Landtagsabgeordneter aus Mühlacker: „Es wäre fatal, wenn man ihn wegen seiner kritischen Äußerungen zur Integration ausschließen wollte“, aber es gehe um Sarrazins Genetik-Thesen. Dass das Ausschlussverfahren gegen den in der Bevölkerung beliebten Noch-Bundesbanker auch Gefahren bergen könnte, sieht Knapp nicht: „Ich halte es für notwendig zu sagen, dass es Grenzen in einer Partei gibt.“
„Jeder hat die Kraft, aus seinem Leben etwas zu machen“, nennt Katja Mast eine der Grundüberzeugungen der SPD. Dass Sarrazin dies muslimischen Einwanderern nicht zugesteht, rechtfertige somit ein Ausschlussverfahren. Davon abgesehen wünscht sich die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Dietlingen aber vor allem eines: „Dass wir endlich eine echte Integrationsdebatte führen, anstatt uns an Sarrazin abzuarbeiten.“
Autor: Angelika Wohlfrom





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Leserkommentare (16)
Mehr KommentareDie sogenannte Politik ist ein einziges Kaschperletheater und nur mit sich selbst beschäftigt. Die Mitspieler verdienen gutes Geld mit dieser Unterhaltungs-Show und sind bestens abgesichert im Alter. Also - abwarten und Tee trinken. mehr...
Traurig, traurig, dass eine "demokratische Volkspartei" wie die SPD die Meinungsfreiheit eines Parteimitgliedes so intolerant mit Füßen tritt und ihn nur unsachlich in seiner Person angreift, sich aber nicht mit seinen durch Quellen belegten Thesen beschäftigt. Sarrazin kann doch nichts besseres passieren, aus so einer Partei, die Meinungsfreiheit und Demokratie nach gut Dünken für sich auslegt, ausgeschlossen zu werden. Vielleicht gründet er ja dann selbst eine Partei und nimmt all die ...... mehr...
Die durch ihren Chef künstlich hochgeschaukelte Begründung (die von Thilo Sarrazin in vielen öffentlichen Debatten zurückgezogene Gen-Theorie z.B auch bei Juden) für ein Ausschlussverfahren, werden die Leute "wie Du und ich" in der SPD voraussichtlich nicht mittragen. Trotzdem wird wohl kaum eine Spaltung entstehen, eher wird sich der "Riese" ducken müssen. Vielleicht stellt auch eine kleine Spende aus Sarrazins verkauften Büchern für dessen Wohlverhalten wieder her?:rolleyes: mehr...