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03.12.2008

Situation der Autoindustrie in Deutschland

Die Autoindustrie jammert: Die Finanzkrise sei Schuld daran, dass die Leute keine Autos mehr kaufen. Minus 18 Prozent bei den Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresnovember. Es gehe nicht anders, da helfe nur noch massiver Personalabbau. Doch was die Autoindustrie so lautstark in die Welt posaunt, ist nur die halbe Wahrheit.

Denn erstens ist mitnichten nur die Finanzkrise Schuld an der Absatzflaute, sondern auch die verfehlte Modellpolitik und die strikte Verweigerung massentaugliche, sparsame Modelle oder alternative Antriebstechniken zu entwickeln und anzubieten. Was viele Hersteller jetzt als umweltfreundliche Modellpflege anbieten, ist vielfach reine Augenwischerei, wie ein genauer Blick auf die marginalen Werte bei Sprit- und CO2-Einsparungen zeigen.

Und zweitens scheint die Krise gar nicht so massiv zu sein, wie uns die Autoindustrie mit ihrer Schwarzmalerei weiß machen möchte. Denn trotz des dramatischen Absatzeinbruchs im November: Aufs Jahr gerechnet wurden in Deutschland 2008 nur 1,5 Prozent weniger Autos verkauft als 2007!

Es drängt sich der Verdacht auf, dass etliche Konzerne das Krisengerede dazu nutzen wollen, sich gesund zu sanieren. So hat beispielsweise BMW ganz offen angekündigt, die Produktion weiter drosseln zu wollen, Personal abzubauen und sechs Milliarden Euro einzusparen. Nicht etwa weil es durch die Krise zwingend notwendig wäre, sondern um die Umsatzrendite zu steigern.

Und Peugeot erklärt am einen Tag, „von der Krise brutal erfasst“ worden zu sein und 3550 Stellen abbauen zu müssen – verkündet aber am nächsten Tag stolz, seinen Marktanteil im Krisenmonat November in Deutschland deutlich erhöht zu haben.

Eins ist jedenfalls klar: Wenn die Autokonzerne mit ihren Massenentlassungen ernst machen, wird sich ihre Prophezeiung von der Absatzkrise auf jeden Fall erfüllen. Denn die zusätzlichen Arbeitslosen werden sich garantiert keine Autos kaufen.