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11.07.2011

Sohn erpresst Kaufhaus, Mutter korrigiert Briefe

Memmingen. Um Geld für einen Sorgerechtsstreit zu bekommen, erpresste ein Mann aus dem Ostallgäu eine Kaufhauskette - und ließ seine 66-jährige Mutter die Erpresserbriefe korrigieren. Falsch verstandene Mutterliebe und fehlgeleitete Deutsch-Nachhilfe hat nun dazu geführt, dass nicht nur der Erpresser und Brandstifter, sondern auch seine Mutter vom Landgericht Memmingen verurteilt wurden.

Der 35 Jahre alte Mann erhielt wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung und versuchter besonders schwerer Brandstiftung eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten, die Mutter wurde wegen Beihilfe zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt. «Es waren völlig falsche Mittel, zu denen er gegriffen hat, um seine Kinder wieder zu bekommen», sagte die Richterin und sprach mit Blick auf die korrigierten Erpresserbriefe von «falsch verstandener Mutterliebe».

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 35-Jährige im Februar zwei Erpresserschreiben an eine deutschlandweit vertretene Warenhauskette schickte und 20 Millionen Euro forderte. In den Briefen gab er an, vergiftete Lebensmittel in den Regalen von zehn Märkten deponiert zu haben. Im Eingang eines Kemptener Marktes legte er einen Brand, bei dem ein Schaden von 120 000 Euro entstand.

Mutter und Sohn hatten die Taten zu Beginn des Prozesses eingeräumt. Der 35-Jährige sprach von einem «dämlichen Fehler», den er aus Verzweiflung begangen habe. Als Motiv gab er Streit mit seiner geschiedenen Ehefrau über das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder an. Er habe gehofft, durch die Erpressung an so viel Geld zu kommen, dass er mit den Kindern ein neues Leben fern der Heimat beginnen könne. Auf die Idee, ein Warenhaus zu erpressen, sei er durch Berichte über den ehemaligen Kaufhaus-Erpresser «Dagobert» gekommen, die er im Internet gelesen habe. dpa