










Große Gefühle, kleine Begegnungen – der Ehrungsabend der PZ-Sportlerwahl hat von allem etwas geboten. Teils trafen sich alte Bekannte im Atrium des VolksbankHauses wieder, teils lernten sich die direkten Konkurrenten erst hier kennen. Am Buffet entwickelten sich angeregte Gespräche unter den Spitzensportlern samt Anhang. Es wurde gefachsimpelt und gelacht. Viel gelacht. Schließlich gab es am Donnerstagabend keine Verlierer.
Nicht nur das Bundesliga-Team der KTV Straubenhardt strotzt vor Selbstbewusstsein. Auch der Nachwuchs weiß, was er will. „Ich mache das hier ja nicht zum Spaß…“, teilte KTV-Talent Dennis Janetzke im Sieger-Video mit und löste damit beim Publikum allgemeine Erheiterung aus. Der erst zwölfjährige Aaron Wagner setzte sogar noch einen Drauf: „Ich möchte Olympiasieger am Boden und Weltmeister beim Sprung werden“, machte der Nachwuchsturner kurz und knapp deutlich. Was wiederum seinen Coach Alexej Grigoriev ein wenig in Zugzwang brachte: „Als Trainer hast du bei so einer Sache eigentlich immer die Arschkarte gezogen“, gestand der Russe mit deutschem Pass. „Wenn es klappt, war der Turner spitze. Wenn es daneben geht, hat allein der Trainer die Schuld.“
Neidische Blicke aus dem Publikum erntete Patrick Groetzki. Der Handballer ist für die körperlichen Anforderungen der 1. Bundesliga noch etwas zu schmächtig. „Ich muss so viel wie möglich essen“, erzählte Groetzki. Der Mann hat Probleme...
Bleiben wir beim frischgebackenen PZ-Sportler des Jahres. Beinahe hätte Groetzki seine Urkunde nicht auf der Bühne entgegennehmen können. Er kam nämlich zu spät. Die A 8 lässt grüßen. 15 Kilometer Stau zwischen Karlsbad und Pforzheim zwangen den Handball-Profi zu einem Umweg.
Apropos Warten: Gähnende Leere auf der Bühne, als Moderator Christoph Pietsch die Tanzgruppe „La Boom“ vom TV Ispringen zum zweiten Mal auf die Bühne rief. „Der Applaus war zu schwach“, rief deren Trainerin dem Publikum entgegen. Also eifrig geklatscht und raus kamen die Mädels.
Nicht nur bei der PZ-Sportlerwahl war SSG-Schwimmerin Silke Lippok mal wieder top. Auch von der Stiftung Deutsche Sporthilfe ist die 15-Jährige für die Wahl zur besten deutschen Nachwuchssportlerin vorgeschlagen worden. Dabei hätte die Schülerin auch in der Leichtathletik Karriere machen können. Vor rund drei Jahren lief Lippok beim LC 80 Pforzheim äußerst erfolgreich die 800- und 2000-Meter. „Ich hatte viel Spaß, aber das Schwimmen war mir wichtiger“, verriet das Multitalent.
Auch ein Sportredakteur kann sich mal irren. Alexander Albrecht erkundigte sich nach dem Gesundheitszustand von Manuel Salz. Das Fatale daran: Der Mann, der sich da mit Krücken ins Volksbankhaus schleppte, war gar nicht Manuel Salz, sondern sein jüngerer Bruder Dominik, der für die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga stürmt und dessen großer Zeh angebrochen ist. Die beiden sehen sich aber auch zum Verwechseln ähnlich...
Der echte Manuel Salz sorgte für den emotionalen Höhepunkt des Abends. Mit glasigen Augen dankte der Bundesliga-Torwart des SC Freiburg seiner Frau und der Familie für die Unterstützung. „Ohne euch stünde ich nicht hier oben“, hauchte der Viertplatzierte ins Mikrofon.
Die PZ-Sportlerwahl ist auch ein gutes Pflaster für Autogrammjäger. Hanna Kleins jüngerer Bruder Elias, ein großer Fußballfan, nutzte die Gunst der Stunde und ergatterte sich die Unterschrift von Manuel Salz. Freiburg-Fan ist Elias aber nicht, sein Herz schlägt für den VfB Stuttgart „und auch kleines bisschen für Bayern München. Aber nur wegen Mario Gomez.“
Es war Christoph Pietsch förmlich am Gesichtsausdruck abzulesen, wie sehr er versuchte, sich Kugelstoßer Marco Schmidt im Schottenrock vorzustellen. Kurz zuvor hatte der Pforzheimer Schwerathlet dem Moderator Folgendes eröffnet: Statt sich die Leichtathletik-WM im Fernsehen anzuschauen, habe er zeitgleich bei den Highland-Games teilgenommen, so Schmidt. „86 und 50 Kilogramm Steinstoßen, dazu unter anderem ein 25-Kilo-Gewicht werfen“, ließ er wissen. Was den deutlich schmächtiger geratenen Moderator durchaus amüsierte: „Jaja, an einem schönen Sonntagnachmittag denke auch ich immer gerne über solche Dinge nach“, meinte der SWR-Journalist mit einem Augenzwinkern.
Dass Faustballerinnen gerne mal auf Safari gehen, weiß man spätestens seit die Dennacher Talente bei der Junioren-WM im afrikanischen Namibia die Silbermedaille geholt haben. „Gerade, was Land und Leute angeht, haben wir natürlich soviel mitgenommen, wie wir nur konnten“, verriet TSV-Spielerin Sophia Scheidt. „Und ich habe endlich meine erste Giraffe in freier Wildbahn gesehen.“
Bei Jaqueline Schellin dreht sich derzeit alles um den Sport. „Ich ringe eigentlich nur noch“, beantwortete das Fliegengewicht die Frage von Moderator Christoph Pietsch nach ihren Hobbies. Schellin ist Sportsoldatin am Olympia-Stützpunkt in Schifferstadt und trainiert dort zwei bis drei Mal am Tag. Nach Wochen der Quälerei hat sie endlich Urlaub. Zeit zum Entspannen? Von wegen! „Ich bekomme die Weisheitszähne raus“, berichtete Schellin.
Beim Schach gibt es nicht nur auf dem Brett verzwickte Situationen, Schach kann auch im richtigen Leben kompliziert sein. Das musste auch Christoph Pietsch erkennen, der sich beim Interview mit Sebastian Bogner durch den Dschungel der Schachbegriffe kämpfte. Denn Bogner hat schon dreimal die Großmeisternorm erfüllt. Also ist er auch Großmeister? Mitnichten. Oder besser gesagt: Noch nicht. Beim Smalltalk nach der Veranstaltung gab es Aufklärung. Wer die Norm dreimal geschafft hat, bekommt normalerweise auch den Titel. Den gibt‘s aber nicht automatisch, der wird von der Fide-Kongress der Schachvereinigung verliehen. Die tagte jüngst – also kann Sebastian Bogner in den nächsten Tagen mit der frohen Botschaft rechnen, dass er den höchsten Titel im Schachsport tragen darf. Mit seinen gerade erst 18 Jahren ist er dann aktuell der jüngste deutsche Großmeister und der zweitjüngste aller Zeiten. Alle Achtung!
Wer bei der Sportlerwahl teilnehmen will, muss sich ja nicht an die Vorschläge der PZ-Sportredaktion halten, er darf auch seine eigenen Favoritinnen und Favoriten auf den Stimmzettel schreiben. Das geschieht alle Jahre wieder. So erhielten zum Beispiel die Handballer der SG Pforzheim/Eutingen 19 Stimmen. Auch die Basketballerin Vanessa Seemann, die Faustballerin Sonja Pfrommer oder die Schützin Yvonne Wrobel, die allesamt mit ihren Mannschaften auf der Bühne standen, bekamen in der Sparte „Sportlerin“ vereinzelt Stimmen. Die Fußball-Mannschaft des SV Büchenbronn und ihr Spieler Simon Freivogel tauchten ebenfalls häufiger auf Stimmzetteln auf.
Dass aber jemand in dieser Rubrik 63 Stimmen bekommt, ist schon außergewöhnlich. Diese vielen Stimmen bekam in diesem Jahr René Dörfler, der überraschend verstorbene Kapitän des Fußball-A-Ligisten FSV Eisingen. Eine posthume Ehrung für einen Sportler, der von seinen Mitspielern und Fans noch nicht vergessen ist.lex/mm/pep/ok





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