
Die Ausbildung in Deutschland ist ein gutes Sprungbrett für die Karriere.“ Das Zitat stammt von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Gesagt hat er es Mitte des Monats am Institut für internationale Beziehungen der Ural-Universität in Jekaterinburg. Der Chef-Diplomat sprach sich für eine „deutsch-russische Modernisierungspartnerschaft“ aus.
Das Zitat hätte aber auch von einem der rund 20 Handwerker sein können, die in zwei Tranchen – 2001 und 2004 – aus Irkutsk nach Pforzheim und in den Enzkreis gekommen waren, um sich bei hiesigen Firmen und der Handwerkskammer mit deutschen Materialien, Werkzeugen, Arbeitsabläufen und Existenzgründung auseinanderzusetzen. In ihrer Heimat ernten sie seither die Früchte. Nicht möglich gewesen wäre dieses Programm der beiden Städte ohne die Baden-Badener Eberhard-Schöck-Stiftung und die Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim und Enzkreis.
Für das Qualifizierungsprogramm erhielt Pforzheim im Jahr 2003 einen von zwei Hauptpreisen des Deutsch-Russischen Forums in Höhe von 5000 Euro. Gewürdigt wurde das bürgerschaftliche Engagement in Russland. Über 200 Organisationen, Städte und Einzelpersonen, die Kooperationsprojekte ins Leben gerufen hatten, wetteiferten um die Ehre der Auszeichnung. Die Schirmherrschaft hatte der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau übernommen.
Dank der Eberhard-Schöck-Stiftung erhielten einige Handwerker auf Wunsch einen Kredit, um sich aus Deutschland Maschinen zu beschaffen – hier hatten sie gesehen, was man mit gutem Werkzeug alles machen kann. Das wollten sie fortan auch in Irkutsk in ihrem jungen Unternehmen tun – und sei die Einfuhr wegen der Zollbestimmungen und Beamten mit rudimentärem Sowjet-Service-Denken noch so nervenaufreibend, wie beispielsweise die Schilderung von Fjodor Sobol zeigt, die er für seine Freunde von der Deutsch-Russischen Gesellschaft festhielt.
In seiner Werkstatt, in der er auch zwei Behinderte beschäftigt, sägt er auch Ungewöhnliches zu: Für den Bootseigner Genadi Novikow tischlerte er die Innenausstattung – von der Küche über Essecke bis zur Schlafkajüte das komplette Innenleben der 18 Meter langen „Baltika“ – nicht etwa, als die im Trockendock lag, sondern auf offenem Gewässer. Das, so ist zu vermuten, hat er nicht in Pforzheim gelernt . . .





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