nach oben
19.01.2010

Szenegeflüster: Kindle und Co.

Wo glänzt die Discokugel in der Goldstadt am hellsten? Was erzählt sich die Pforzheimer Szene beim Kaffeeklatsch? Ronny Thurow, Szeneflüsterer mit Gespür für jugendlichen Zeitgeist, versorgt die Leser in seiner Kolumne wöchentlich mit Tratsch, Tipps und Trends aus dem Herzen der Szene.

Mein Buch ist aus, ich muss nach Haus. Vier Batterien holen. Diese beiden Sätze werfen Fragen auf. Zum Beispiel: Hä – wie kann ein Buch ausgehen? Oder auch: Wie jetzt – seit wann braucht ein Buch Batterien? Also: Noch können die wenigsten Bücher ausgehen, und die wenigsten haben Batterien.

Jedoch könnten die herkömmlichen Bücher – jene gedruckten, batterielosen, wunderbar altmodischen Werke – bald der Vergangenheit angehören. Sie könnten ersetzt werden durch elektronische Bücher, die man auf Geräten mit Bildschirm wie dem „Amazon Kindle“ liest. Oder noch schlimmer: Die man auf seinem futuristischen „iPhone“ liest. Diese Horrorszenarien beschwört mancher Aussteller bei der Frankfurter Buchmesse. Es soll gar Verleger geben, die Bücher in nicht allzu ferner Zukunft nur noch digital veröffentlichen. Zielgruppe der neuen Technik soll freilich die Jugend sein.

Welch‘ Graus! Ich will nicht am Strand liegen, und mein Buch geht aus. Schlimm genug, wenn mein „iPod“ ausgeht. Bücher lesen sollte sorglos sein, ganz und gar gedankenverloren. Da sollte man nicht an Stromversorgung denken müssen. „Kindle“ und Co. sind Technik, die die Welt nicht braucht.

Szeneapplaus. Andere Technik hat einen Nutzen. Zum Beispiel die LED-Beleuchtung, die die Fassade der Szenebar „RosenRot“ seit einigen Wochen in wechselnde Farbtöne taucht. Das macht die graue Nordstadt ein wenig bunter. Was die Innenstadt ein wenig bunter macht, zumindest klanglich, ist der Sound des „Salt&Pepper“. Am Samstag heißt es dort: Griechische Nacht mit Mark Harris. Und hernach: AfterHour mit Robin. Mutige Kombination. Schöne Abwechslung zum Pforzheimer Alltag.

Szenewechsel. Vielen Szenegängern war das „Unterhaus“ in Karlsruhe ein Begriff. Es stand für legendäre Studenten-Parties, feucht-fröhlich gefeiert. Jedoch stand der Name „Unterhaus“ auch für eine Discothek, die ihre besten Zeit hinter sich hatte. Vor ein paar Monaten hat der Club an der Karlsruher Kaiserpassage einen ehrgeizigen Neuanfang gewagt. Er trägt jetzt den klangvollen Namen: „DEI-CON“. Was das heißen soll? Ganz einfach: DEin Club Ohne Name.

Im Dezember hatte das „Dei-Con“ – welch‘ Segen für Studenten – mehr als 20 Öffnungstage. Fast jeden Tag konnte man dort feiern, sich bedienen lassen von schönen Barkeeperinnen. Beschallt von prallem Club-Sound. Als DJs beehren das „Dei-Con“ regelmäßig alte Bekannte aus Pforzheim: die Brüder Cem und Cengiz alias DJ 2 RockG und Gizz. Letzterer steht am Samstag hinter den Plattentellern.