nach oben
02.05.2008

Techno-Tussis

Wer wissen will, wie jugendliche Männer-Mode der Stunde klingt, der muss die britische Band „Eight Legs“ spielen sehen. So klingen Röhrenjeans, wie „Eight Legs“. So sieht Indie-Rock aus, wie „Eight Legs“.

Diese vier Musikanten aus Stratford-Upon-Avon, der Geburtsstadt Shakespeares, fallen nicht durch lyrische Texte auf. Nein, sie stechen durch Haltung hervor. Durch eine jugendlich-zerbrechliche Haltung, die der aktuellen Männermode auf den Leib geschneidert ist. Und diese Mode ist ihnen auf dem Leib geschneidert. Seit dem Winter 2006 ist das Quartett der In(die)-Begriff der Veschmelzung von Musik und Mode.

Damals lieferten die Briten den Soundtrack zur Laufsteg-Show der Männerlinie des Modehauses „Dior“. Als Hedi Slimane noch dessen Chef-Designer war und dem Mann an sich eine schmale Silhouette verordnete – inspiriert von jungen, dürren Milchgesichtern aus der Rock-Subkultur. Typen wie jene von „Eight Legs“.

Seit damals haben sie sich weiterentwickelt. Doch: Sie klingen immer noch nach Mode. Davon gilt es sich zu überzeugen auf Konzerten in Deutschland Anfang Mai. Die Termine finden sich Szene-Kalender der PZ:
www.pz-news.de/jugendstil

Szeneapplaus. In angesagten Hamburger Clubs tragen die schönsten Frauen verspielte Kleidchen mit hochhackigen Schuhen. Sie stehen sich an der Bar die langen Beine in die Bäuche und tun das, was sie am besten können: gut aussehen. Ihre Hände an den mageren Armen halten Cocktail-Gläser. Die geschminkten Gesichter strahlen. Sie stehen da wie Statuen. Das macht sie langweilig. Zu Tussen.

Dann wird die Musik lauter, schneller, dröhnender. Dann bricht es heraus. Die hübschen Dinger, die eben noch so erhaben-tussig standen, springen auf Podesten – auf Absätzen! – auf und ab, toben umher, wedeln die Arme, schütteln die Mähne. Wie Groupies, damals bei Konzerten der „Rolling Stones“, als Mick Jagger noch Gesichtszüge zwischen den Falten hatte. Aha, Techno brauchen feine Hamburger Damen, um alle Hemmungen zu verlieren. Techno-Tussis.

Szenewechsel. Was brauchen Pforzheimer Damen, um Hemmungen zu verlieren? Vielleicht ist es eine Nacht mit Eric Smax. Der ist ein erfahrener Experte für elektronische Musik. Mehr noch: Ein deutscher Pionier seines Genres. Er betätigt sich heute Abend an den Plattenspielern des Studentenclubs „plus+“. Vielleicht tanzen dann hübsche Dinger in Kleidchen auf Podesten. Das wäre schön.