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Thilo Sarrazin und die Realität

Wenn es denn so einfach wäre: Hier der böse Sarrazin, dort die guten Migranten. Oder aber: Hier der gute Sarrazin und dort die bösen Migranten. Leider wird dieser Tage so manche Diskussion über die umstrittenen Sarrazin-Thesen genau nach diesem Strickmuster geführt. Und das ist ein Ärgernis. Wenngleich es Sarrazin selbst war, der dieses Schwarz-Weiß-Denken insbesondere durch seine demagogische und irrwitzige Erbguttheorie verursacht hat.

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Dennoch: Die vergiftete Debatte zwischen Sarrazin-Befürworter und Sarrazin-Gegnern blendet einerseits aus, dass es Millionen von Migranten – mit und ohne deutschen Pass – gibt, die hier sehr wohl integriert sind und das gesellschaftliche Leben bereichern. Andererseits wird dadurch die sachliche Auseinandersetzung mit dem Migrations- und Integrationsproblem verhindert. Die aber ist für unser Zusammenleben bitter nötig, um tatsächliche und tiefsitzende Schwierigkeiten bei der Integration von Migranten endlich anzugehen. Und derer gibt es viele, die dazu noch ein hohes gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial in sich bergen. An dieser Stelle muss man Sarrazin schlichtweg Recht geben – und nicht nur ihm. Viele Menschen in Deutschland sagen, wissen, erleben und spüren das und tun sich deshalb schwer mit dem Thema Zuwanderung.

Die Kommunen haben natürlich ein massives Problem, wenn Ausländer in Ghettos leben und sich dort ihre eigene Werte- und Rechtsordnung – also eine Parallelgesellschaft – schaffen. Deutschland hat natürlich auch ein Problem, wenn Zuwanderer sich weigern, die deutsche Sprache zu lernen und so klar zu erkennen geben, dass sie an einer Integration überhaupt nicht interessiert sind.

Die Ursache hierfür liegt zweifellos auch darin begründet, dass sich die Politik über Jahrzehnte hinweg weggeduckt und die Tatsache geleugnet hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die Folge: Sie hatte nicht den Mut, Gesetze zu erlassen, die Integration gefördert hätte – wie Zuwanderer dazu zu verpflichten, Deutschkurse zu besuchen. In Israel beispielsweise wird dies so gehandhabt: Wer sich weigert, die hebräische Sprache zu lernen, hat keinen Anspruch auf Sozialleistungen.

Allerdings wäre es zu einfach, alles nur auf die Politiker zu schieben. Das entspräche bei weitem nicht der Realität. Integration ist in erster Linie eine Frage des Wollens. Und hier lassen viele Zuwanderer einiges zu wünschen übrig. Diesen Missstand zu benennen, ehrlich zu analysieren und konsequent zu bekämpfen, das muss in unser aller Interesse sein – egal, ob wir nun Sarraziner oder Anti-Sarraziner sind.

Ihre Meinung zum Kommentar schreiben Sie an: magnus.schlecht(at)pz-news.de 

02.09.2010

Leserkommentare (18)

Mehr Kommentare
1
Else | 03.09.2010 | 09:05

So is es Ich sag schon lange: Der Westen ist nicht in den Osten gegangen... es verhält sich genau anders herum Sehr geehrter Herr Schlecht, danke für einen sinnvollen und objektiven Beitrag ohne Medienhetzjagd und ohne Herausstellen einer besonderen politischen Strömung Oh ja, es wird allerdings ganz dringend nötig sich den Fehlentwicklungen ganz dringend zu stellen, sie wirklich ernsthaft und sachlich zu diskutieren (nicht nur so ein propagandistisches Rumgeschwalle a la ...... mehr...

2
ZahlemannUndSöhne | 04.09.2010 | 09:46

http://bilder.bild.de/BILD/politik/2010/09/04/thilo-sarrazin/sprech-verbote-kopfgrafik__17514481-1283535916.gif Diese Sätze muss man sagen dürfen, weil... Es sind Sätze, die die Mehrheit der Deutschen unterschreiben würde. Sätze, die Ausdruck von oft katastrophalen Missständen in unserem Land sind. Und trotzdem Sätze, die in Deutschland immer noch Ärger, Streit und wütende Debatten auslösen. BILD aber meint: Es darf keine Sprechverbote geben. Auch nicht bei diesen unbequemen ...... mehr...

3
bifi64 | 04.09.2010 | 10:59

Wer von "Genetik" nichts versteht, sollte solche Beiträge bleiben lassen. Von wegen "Pseudowissenschaft aus linken oder politisch korrekten Kreisen". Solch einen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Genau die Sarazin-Aussage, bis zu 80% seien Veranlagung, ist in der breiten Wissenschaft eben absolut unbekannt. Wobei sich übrigens die von ihm hierzu zitierte Professorin gewehrt hat, er habe sie völlig mißverstanden. Natürlich haben kulturelle und religiöse Prägungen einen Einfluß. ...... mehr...

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