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24.06.2011

Top-Gangster nach 16 Jahren auf der Flucht gefasst

Los Angeles (dpa) - Geldwäsche, Erpressung, Drogengeschäfte und 19 Morde: Gegen James J. «Whitey» Bulger lag eine lange Anklageliste vor, als er 1994 kurz vor einer geplanten Festnahme in Boston (US-Staat Massachusetts) untertauchte. Seither stand er auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher. Zeitweise war eine Belohnung von zwei Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro) auf seine Festnahme ausgesetzt. Jetzt griff das FBI im kalifornischen Santa Monica zu.

Nach Mitteilung der Bundespolizei am Donnerstag schnappten die Fahnder Bulger (81) mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Catherine Greig (60) am Mittwoch in deren gemeinsamer Wohnung. Mit verschränkten Armen trat der weißbärtige, fast kahlköpfige Ex-Mafioso am Donnerstag in Los Angeles kurz vor einen Bundesrichter, berichtete die «Los Angeles Times». Es würde «eine ganze Weile» dauern, die lange Liste von Vorwürfen gegen ihn durchzulesen, sagte Bulger. «Aber ich kenne sie ohnehin schon alle», fügte er hinzu.

Bulger und Greig sollen den Behörden in Boston übergeben werden. In den 1970er und 80er Jahren soll Bulger im Raum Boston Kopf einer irischen Gruppe der organisierten Kriminalität gewesen sein, die mit ihren brutalen Geschäften extrem hohe Einnahmen erzielte. Die Verbrechen lieferten die Vorlage für Martin Scorseses Mafia-Drama «Departed - Unter Feinden».

1929 in Boston geboren, hatte Bulger schon als junger Mann eine Strafe auf Kaliforniens berüchtigter Gefängnisinsel Alcatraz verbüßt. Später festigte er seine Stellung in Bostons krimineller Szene. Seine Lebensgefährtin stammt von dort. Mit einem kurzen Fernseh-Spot hatte das FBI die Suche nach dem Paar in dieser Woche neu in Gang gebracht. Ein Hinweis habe zu der Wohnung in Santa Monica geführt, teilte die Polizei mit, ohne aber Einzelheiten zu nennen. Nachbarn beschrieben das Paar als ruhig und unauffällig. Die beiden hätten nie Besuch gehabt, seien aber häufig in dem Viertel spazieren gegangen, sagte Nachbarin Barbara Gluck am Donnerstag der «Los Angeles Times».

Das «attraktive Paar» habe einen ganz normalen Eindruck gemacht. Dem Hausbesitzer zufolge wohnten Bulger und Greig seit 14 Jahren in der Wohnung, die Miete hätten sie bar bezahlt. Am Klingelschild stand ein falscher Name. Die Polizei stellte dutzende Kisten und Säcke mit Beweismaterial sicher. Der Zeitung zufolge wurden in dem Appartement große Mengen Bargeld und Waffen gefunden.