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28.03.2008

Transrapid deckt Schwächen auf

Die deutsche Wirtschaft bietet in diesen Tagen einen ebenso auffälligen wie nachdenklich stimmenden Kontrast. Wir glänzen mit einem anhaltend guten Wachstum, einem ungebrochenen Exportboom, mehr Konsumfreude und einer nachhaltig positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt, worauf Deutschland lange gewartet hat.

Im bemerkenswerten Gegensatz dazu steht das Trauerspiel um den Münchner Transrapid. Das Renommierprojekt deutscher Ingenieurkunst wird nun nicht gebaut. Die CSU ist empört, die Wirtschaft wehrt sich und Bayerns SPD triumphiert so laut wie nach einem großen Sieg. Dabei gibt es nur Verlierer. Denn der Imageschaden für den Standort Deutschland ist enorm.

Warum ist es in Deutschland nicht möglich, von der eigenen Spitzentechnologie zu profitieren? Warum kann man in Deutschland die Produktion von Mobiltelefonen nicht aufrecht erhalten? Warum ist hierzulande der Bau von Flugzeugen gefährdet? Weshalb gibt es in einem Land, das einmal als „Apotheke der Welt“ galt, nur noch Reste einer wettbewerbsfähigen Pharmaindustrie? Schon diese kurze Auflistung macht deutlich, dass es hierzulande noch einiges zu tun gibt in den Führungsetagen großer deutscher Unternehmen.
Dass ein weltweit operierender Konzern wie Siemens im Ausland produziert, weil man auch die Nähe zu den Absatzmärkten braucht, ist notwendig, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Aber dass eine derart marktstarke Firma nach und nach aus allen Kernbereichen aussteigt, die dem Namen Siemens einst jenen Glanz verliehen haben, von dem das Unternehmen noch heute zehrt, ist ein Armutszeugnis. Hier hat das Management versagt genauso wie bei dem fehlgeschlagenen Versuch, die Handy-Produktion an einen Konkurrenten zu übertragen. Da muss man sich in der Konzernzentrale über den Proteststurm nicht wundern, den eine 30-prozentige Gehaltserhöhung für den Vorstand ausgelöst hat.

Auch bei Airbus häufen sich die Fehlleistungen der Unternehmensführung, für deren Folgen am Ende wieder die Beschäftigten geradestehen müssen. Dass Deutschland bei der Hochtechnologie ins Hintertreffen gerät, zeigt sich auch daran, dass der Forschung hierzulande zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Es ist kein Zufall, dass in den USA derzeit rund 20 000 deutsche Wissenschaftler arbeiten – dort sind einfach die Forschungsbedingungen besser.
Da genügt auch nicht der Hinweis, dass deutsche Unternehmen überdurchschnittlich viele Innovationen weltweit zum Patent anmelden. Zu oft gelingt es nicht, den heimischen Markt für die neuen Produkte zu gewinnen – Transrapid lässt grüßen. Hier sind durchsetzungsfähige Unternehmer und Manager gefragt. Und wenn die dann noch erfolgreich sind, wird im Land auch das Verständnis für deren Gehaltserhöhungen wachsen.