

PFORZHEIM. Vor ein paar Tagen noch, so meldeten es die Buschtrommeln, habe Gert Hagers Ehefrau Sabine bei einem Getränkehändler vorsichtig angefragt, ob man eventuell am Sonntagabend noch ein paar Kisten Sekt ordern könne. So auf die Schnelle. Könnte ja sein, dass . . . Der Getränkehändler sponsorte kurzerhand 40 Flaschen französischen Blanc de Blanc brut und lieferte die Ladung am Sedanplatz ab.
Und so riecht es auch schon dezent nach Schaumwein, als das Ehepaar Hager um kurz nach 21 Uhr in der Wahlkampfzentrale eintrifft. Natürlich hat es sich herumgesprochen, dass Gert Hager den ersten Wahlgang gewonnen hat. „Das hat doch niemand getippt, als wir vor ein paar Monaten gegen die Amtsinhaberin angetreten sind“, ruft Hager unter dem Jubel der Genossen, als er Hände geschüttelt, Umarmungen und Küsschen getauscht, Wangen getätschelt hat. Auch das Büfett ist etwas ausgedünnt: Bei den kalten Teigtaschen, den Kügelchen mit Mozzarella, Tomaten und Basilikum klaffen bereits Lücken. Noch relativ unangetastet sind die gefüllten Tomaten und Gurken. Halbvoll harrt eine Magnum-Flasche italienischen Rotweins ihrer Leerung.
Die Liedermacher Lu Thomé und Dieter Huthmacher sind gekommen, sie werden den kulturellen Teil des Abends bestreiten, der so schnell nicht zu Ende gehen wird.
„Aber immer daran denken, morgen geht es weiter“, macht Hager sich und den Seinen Mut. Er meint zu spüren: „Ich hab’ den Lauf.“ Sprich: Der Motivations-Akku soll noch drei Wochen lang laufen. „Die Rückmeldungen machen mir Mut.“ Das Geheimnis seiner Aufholjagd sieht er nach eigenem Bekunden darin, „dass der Wahlkampf richtig Spaß gemacht hat“. Das alles sagt er ins Mikrofon, und für ein paar Augenblicke ist es still. Die Anwesenden nicken heftig, als Hager verspricht, der Wechsel werde definitiv am 28. Juni vollzogen. Er werde weiter den Kontakt zu den Bürgern suchen – rund 1000 Hausbesuche hat er in den vergangenen Wochen gemacht, hat Klinken geputzt – die große Ochsentour eben. „Ich habe das nicht als Belastung empfunden“, sagt der Kandidat.
Natürlich reklamiert er den Erfolg nicht für sich alleine. „Viele von Euch haben sich zerrissen“, ruft er. Und dann gibt er seiner Sabine einen zärtlichen Kuss, macht weiter die Honneurs, schafft es in den hinteren Teil seiner Schaltzentrale.
„Gratulier’ Dir, Gert“, sagt Thomas Paeffgen, Schulleiter des Hebel-Gymnasiums, und klopft dem Genossen auf die Schulter.
„Wir sind gut aufgestellt, wir können es schaffen“, ist sich Jens Kück sicher.
Autor: Olaf Lorch





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