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21.07.2010

Türsteher

Damit wir uns von Anfang an nicht falsch verstehen: Ich bin stolz darauf, meine Besuche im „Musikpark“ an einer Hand abzählen zu können. Das hat einfache Gründe: Die Musik dort finde ich sehr furchtbar; die meisten Menschen dort sind sehr betrunken, tanzen wohl deshalb sehr seltsam und sprechen – nein: sie lallen – sehr badische oder sehr schwäbische Dialekte, die ich nicht sehr gut verstehe.

Dennoch: Als Kolumnist ist es für mich erquicklich, hin und wieder in den „Musikpark“ zu gehen. Denn: Bei jedem Besuch passieren mir unglaubliche Dinge. Ich werde Zeuge tragikomischer Szenen, ungewollter Peinlichkeiten von sturzbetrunkenen Menschen – und irrwitziger Dialoge, die kein Gag-Schreiber von „Two and a Half Men“ besser schreiben könnte.

Szeneapplaus. Eine Nacht im „Musikpark“ gibt mir Stoff für drei Kolumnen – so auch die vergangene Samstagnacht. Belassen wir es aber vorerst bei einer Episode: Ich stehe vor den Türstehern. Ich will vorbeispazieren, freundlich grüßend. Einer baut sich vor mir auf und sagt: „Ausweis!“
Ich: „Hab ich nicht.“
Er: „Führerschein!“
Ich: „Hab ich auch nicht da.“
Er: „Hast Du irgendwas?“
Ich: „Nur meine EC-Karte.“
Er: „Gib her!“

Der Türsteher begutachtet meine Karte, schaut sich Vorderseite mit Name, Kontonummer und Bankleitzahl an. Dann Rückseite mit Unterschrift.
Dann guckt er zu mir, tiefer Blick in die Augen. Dann wandert der Blick zurück zur Karte. Wieder auf die Vorderseite, nochmal auf die Rückseite.
Jetzt kommt noch sein Türsteher-Kollege hinzu. Sie beäugen zu zweit meine EC-Karte. Vorderseite. Rückseite. Immer wieder. Sie halten die Karte ganz nah vor die Augen. Dann schauen sie einander an. Nicken. Sagen: „Du darfst rein.“

Eine Frage, die ich mir seither Tag und Nacht stelle: Was auf meiner EC-Karte hat die Türsteher dazu bewogen, mich reinzulassen? Kontonummer? Bankleitzahl? Unterschrift?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht bitte ich die Türsteher mal, Überweisungen für mich zu erledigen. Meine Bankdaten kennen sie ja jetzt.

Szenewechsel. Ich habe sie alle. Alle sechs Staffeln. Alle 96 Folgen von „Sex and the City“. Meine Freundin hat sie mir gekauft. Ach, ich liebe sie dafür.
„Sex and the City“ schauen macht schlau. Zumindest, was die wirklich wichtigen Themen angeht: Mode, Lifestyle und
Innenleben der Frau.