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21.03.2008

Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten

Microsoft-Gründer Bill Gates ist einer der reichsten Männer der Welt. Seine Milliarden hat er in der Vergangenheit oft mit rüden Methoden verdient. Bill Gates ist – das darf man mit Fug und Recht behaupten – ein Kapitalist. Ein gereifter allerdings. Denn Gates hat vor wenigen Wochen auf dem Weltwirtschaftsforum den Begriff des „kreativen Kapitalismus“ salonfähig gemacht.

Darunter versteht der 52-Jährige ein Wirtschaftssystem, von dem Arm und Reich rund um den Globus gleichermaßen profitieren. Wie das funktionieren soll, diese Antwort blieb Gates indessen schuldig. Doch diese Antwort ist drängender denn je.

Was wir derzeit erleben, ist ein Kapitalismus, der wirkt wie im Drogenrausch. Der nächste Kick, der nächste Deal muss her – ohne Rücksicht auf Verluste. Richtig satt Geld verdienen lässt sich offenbar nur noch mit dem Geld selbst. Die Renditeerwartungen haben sich vielerorts längst vom Boden der Realität verabschiedet.

Am konkreten Beispiel deutlich wird das an den Folgen des Kollaps auf dem US-Hypotheken-Markt, der die globalen Finanzmärkte in das größte Desaster seit der Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren zu stürzen droht. Geblendet von der unstillbaren Gier nach immer höheren Gewinnen haben Banker kein noch so hohes Risiko gescheut, um fragwürdige Geschäfte zu machen. Wie viele Milliarden dabei in den Sand gesetzt wurden, erfährt die Öffentlichkeit dieser Tage – häppchenweise.

Nun bedeutet Globalisierung auch – oder gerade – die Vernetzung der weltweiten Finanzströme. Der Finanzplatz USA wird deshalb zum schwarzen Loch. Mit ungeahnten Folgen, die weit über die rein ökonomische Dimension des Problems hinausgehen. Denn de facto ist ein übermächtiges Parallelsystem entstanden, das sich jeder wirksamen politischen Kontrolle zu entziehen vermag – politische Systeme rund um den Globus aber ins Wanken bringen kann. „Die Wahrnehmung der Ökonomie“, zitiert das „Manager-Magazin“ den Münchner Wirtschafts-Psychologen Dieter Frey, „greift auf das politische System über.“

Und weil beispielsweise die Menschen in Deutschland die Globalisierung einzig und allein als Jobvernichter wahrnehmen, wird die Angst vor dem sozialen und wirtschaftlichen Abstieg für sie über kurz oder lang nur einen Rückschluss zulassen: die Demokratie scheint wohl doch nicht die geeignete Staatsform zu sein, um eine Zukunft in Wohlstand zu garantieren. Zumal autoritäre Systeme derzeit stolze Wachstumsraten präsentieren: in China oder im Nahen Osten.

„Kreativer Kapitalismus“, wie ihn Bill Gates gefordert hat, ist deshalb kein Selbstzweck. Er ist die zentrale Herausforderung der Zukunft – für die die Politik bislang bestenfalls hausbackene Rezepte parat hat.