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18.08.2009

Ulla Schmidt und ihr Dienstwagen-Problem

Wahlkampf hin, Wahlkampf her: Eine Gesellschaft, die sich in der schwersten Wirtschaftskrise seit mehr als einem halben Jahrhundert befindet, der die Staatsverschuldung allmählich über den Kopf wächst und Entlassungswellen auf die Unternehmen zu- rollen; eine solche Gesellschaft wird sich schon noch darauf besinnen, welche Fragen der Politik unser Schicksal wirklich beeinflussen – sollte man meinen.

Die scheinheilige Debatte über Ulla Schmidts Dienstwagen-Gebaren gehört nicht zu diesen Fragen. Das wissen alle Beteiligten und das macht die Leidenschaft vielleicht auch verständlich, mit der sie geführt wird. Manch parlamentarischer Heuchler hofft wohl, so im Wahlkampf punkten und das eigene Unvermögen bemänteln zu können. Frei nach dem Wunsch: Hauptsache, es schadet dem Gegner.
Dabei fördert diese Haltung vor allem die Verdrossenheit, über die am Wahlabend dann wieder ebenso laut lamentiert wird – weil etwa weniger Menschen wählen gegangen sind. Doch wen soll es noch wundern, wenn selbst die politische Elite den elementaren Sinn für die Ordnung der Bedeutungen verliert? Das macht Politiker schlechter als sie sind. Und das macht ihre Arbeit weniger verständlich für die Menschen, die eine Perspektive wollen und kein politisches Schattenboxen.