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10.08.2009

Umfrage zum Wahlverhalten deutscher Eltern

Bildungspolitik ist Ländersache – so will es das Grundgesetz. Daran lassen die 16 Bundesländer nicht rütteln. Und wehe der Bund mischt sich ein. Dann ist das Geschrei groß. Der Widerstand gegen eine Vereinheitlichung von Lehrplänen, Büchern, Fächerangeboten, Schultypen und Abschlussprüfungen hat in den vergangenen Jahrzehnten dazu geführt, dass das Bildungssystem in der Republik einem Flickenteppich gleicht. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, oft zum Nachteil des Nachwuchses. Mütter und Väter, die mit ihren schulpflichtigen Kindern berufsbedingt beispielsweise von Baden-Württemberg nach Hamburg umziehen, wissen ein Lied davon zu singen.

Nun haben es die Politiker jedweder Couleur in Bund und Ländern schwarz auf weiß: Laut einer repräsentativen Umfrage sind 91 Prozent der Eltern für eine bundesweite Vereinheitlichung des Schulsystems. Ein frommer Wunsch. Denn wer will schon auf Machtbefugnisse verzichten? Zumal man sich auf diesem Feld gut profilieren kann. Weder Unions-beherrschte noch SPD-regierte Länder dürften dazu bereit sein, diesen Teil des Föderalismus für das Wohlwollen der Eltern zu opfern.
Überhaupt: Das Vertrauen der Befragten in das staatliche Bildungssystem scheint gering zu sein. Es gleicht einer schallenden Ohrfeige für die verantwortlichen Schulpolitiker, wenn sich mehr als die Hälfte der Eltern dafür entscheiden würde, ihre Kinder auf eine Privatschule zu schicken, wenn es finanziell machbar wäre. Ganz schlecht weg kommen dabei die Hauptschulen. Ob die hierzulande beschlossene Umwandlung in Werkrealschulen daran etwas ändern wird? Zweifel sind angebracht.
Die Umfragewerte sollten den Parteien eine Warnung sein. Wer den Elternwillen allzu lange ignoriert, der wird es irgendwann zu spüren bekommen. Vielleicht schon bei der Bundestagswahl im September.