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22.01.2010

Verhandlungen mit der Atomindustrie

Jetzt geht's ans Eingemachte: Längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke – damit sind Union und FDP in den Wahlkampf gezogen. Nun erwarten die großen Energiekonzerne die Einlösung des Versprochenen. Die einen wollen damit eine Menge Geld verdienen, die anderen wollen sich über die Steuer einen Teil dieser Gewinne sichern. Auch wenn Schwarz-Gelb erst im Sommer verkünden will, wie es mit der Atomkraft weitergeht, scheint die grobe Linie längst festzustehen.

Wie auch immer das offiziell heißen mag, was dann kommt – de facto ist es ein Ausstieg aus dem Ausstieg. Und der ist so unlogisch wie unmoralisch: Denn an der Bewertung der Atomkraft hat sich seit der rot-grünen Vereinbarung mit der Atomindustrie vor zehn Jahren nichts geändert: Die Gefahr eines Super-Gaus besteht nach wie vor, vor allem, da das Risiko eines terroristischen Angriffs inzwischen größer geworden ist.
Last but not least: Die Frage der Endlagerung des Atommülls ist noch immer ungeklärt. Doch die dürfte bei den Verhandlungen nur am Rande eine Rolle spielen, nämlich als Druckmittel: Jetzt, wo klar ist, wie teuer die Bergung des Mülls aus dem Salzstock Asse für den Steuerzahler wird, werden sich die Konzerne wohl endlich an der Entsorgung beteiligen müssen. Doch selbst wenn man sie zu einem substanziellen Beitrag bewegt – das Problem bleibt: Weiterhin werden Tonnen um Tonnen hochradioaktiven Mülls produziert, ohne zu wissen, wo man auf Dauer mit dem hin soll. Da „auf Dauer“ in diesem Fall Zigtausende von Jahren bedeutet, ist kein Endlager endgültig sicher. Die einzige Lösung heißt: abschalten.