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25.08.2009

Verhandlungen über den Verkauf von Opel

Mit den US-Amerikanern in der Art zu verhandeln, dass mehr als nur deren ureigenes Interesse im Vordergrund steht, ist schon schwierig genug. So richtig problematisch, die Kuh namens Opel unbeschadet vom Eis zu bringen, wird’s aber, wenn auf der anderen Seite des Verhandlungstisches politisch uneinige Gesprächspartner sitzen – deren Reden und Handeln vom Wahlkampf in Deutschland bestimmt werden.

Genau unter dieser nervenaufreibenden Ergebnislosigkeit mussten die 25000 Opelaner zwischen Rüsselsheim und Eisenach bislang leiden. Seit Wochen ist unklar, ob sie morgen noch ihren Job haben werden. Mit einem Schuss Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten hätte der Opel-Deal längst abgeschlossen werden können.
Zugegeben, für den einstigen Mutterkonzern General Motors (GM) ist die Entscheidung nicht leicht, an wen die Ex-Tochter verkuppelt werden soll. Vor allem der von Deutschland favorisierte Verkauf an den kanadisch-österreichischen Interessenten Magna ist wegen des russischen Partners schwierig. Denn: Das geballte technische Wissen aus Rüsselsheim droht in diesem Fall auch den osteuropäischen Konkurrenten zugänglich zu werden. Das kann einerseits nicht im Interesse des US-Konzerns sein.
Andererseits: Seit Jahrzehnten entwickeln clevere Opel-Ingenieure zukunftsweisende Auto-Ideen. Aber in der Detroiter GM-Zentrale wurden beispielsweise Kleinfahrzeuge und spritsparende Motoren aus Rüsselsheim verständnislos belächelt. Die US-Amerikaner haben das europäische Opel-Know how bislang nicht gewürdigt, sie würden es vermutlich auch in naher Zukunft nicht tun. Deshalb ist es allemal besser, den Laden an den Meistbietenden zu verhökern. Für den Standort Deutschland und die Menschen in den Opel-Werken wäre die komplette Loslösung von GM ein Befreiungsschlag.