nach oben
12.02.2010

Verlorene Unschuld: Olympia im Schatten des Dopingbetruges

Vier Jahre des Wartens sind vorbei. In der vergangenen Nacht wurden die Olympischen Winterspiele in Vancouver eröffnet. 86 Entscheidungen werden in den kommenden Tagen vor einer grandiosen Naturkulisse auf Eis und Schnee fallen. Und am Ende wollen die Deutschen im Medaillenspiegel ganz vorne stehen – so wie 2006 in Turin. Sportler, Fans und Funktionäre hoffen auf fröhliche Spiele. Vancouver soll auch zum Kontrastprogramm für die Sommerspiele 2006 werden. Über Peking hing nicht nur der permanente Smog, auch ein Grauschleier aus Politik und Propaganda trübte den Blick auf das sportliche Treiben. Das IOC stand unter Rechtfertigungsdruck, befand sich ständig in Abwehrhaltung.

Diese Gefahr besteht zwei Jahre später wahrlich nicht. Die Kanadier haben sich bemüht, die Spiele im Einklang mit der Natur zu planen. Vancouver gilt als weltoffen.

Doch die Zeiten Olympischer Spiele ohne Betrug scheinen unwiederbringlich vorbei. Der Sport hat seine Unschuld verloren. Wer geglaubt hatte, Doping sei nur ein Problem von Radfahrern und Leichtathleten, wurde eines Besseren belehrt. Skilangläufer Johann Mühlegg war 2002 in Salt Lake City der Unheilsbote einer neuen Zeit. Von 2006 in Turin sind die Bilder in Erinnerung geblieben, wie italienische Carabinieri die österreichischen Langläufer und Biathleten aus ihren Betten scheuchen.

Und das Thema wird uns weiter beschäftigen, denn die Sportfunktionäre tun sich schwer damit, das Übel an der Wurzel zu packen. Schließlich ist es bequemer, einzelne Nationen – die Russen oder die Österreicher – an den Pranger zu stellen. Der Rest wird gerne unter der Rubrik „Einzeltäter“ abgebucht.

Die gerade erst verhängten 30 Startverbote für Vancouver zeigen aber, dass das Problem weit virulenter ist, als es den Verantwortlichen lieb sein kann. Das IOC hat noch immer keine schlüssige Antwort darauf gegeben, warum die Dopingproben von Turin 2006 inzwischen nicht nachträglich auf die Epo-Modifikation Cera untersucht wurden.
Der Verdacht bleibt, dass gerade in den Ausdauersportarten nur die Sportlerinnen und Sportler an der Spitze mithalten können, die dopen. Und weil die Deutschen im Wintersport sehr erfolgreich waren, sind wir auch schon vor der eigenen Haustüre angelangt.

Wir werden dennoch mit unseren Wintersportlern mitfiebern. Wir hoffen auf Siege, weil das auch die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 unterstützt. Unbeschwert wird der Sportgenuss aber nicht sein.
Angesichts der Zeitverschiebung werden die Sportfans daheim am Bildschirm nach zwei Wochen Vancouver olympische Ringe unter den Augen haben. Hoffen wir, dass keine Kummerfalten dazu kommen.