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19.05.2008

Vor-Rock-Reiter

Bald werden es alle (nach)machen. Schon jetzt tun es in Pforzheim manche, in größeren Städten ist es längst gang und gäbe: Das Spielen von Indie und Rock.

Dass Gitarren-Musik den Sprung geschafft hat auf Disco-Plattenteller, ist so selbstverständlich nicht: Der Sammelbegriff „Alternative“, unter dem es neuzeitlichen Rock zu fassen gilt, steht im Gegensatz zum Mainstream, zum Kommerz. Und das Phänomen Disco als solches ist Kommerz – abgesehen von autonomen Jugendzentren mit Disco-Kugeln. Und von manchen Großstadt-Clubs, die als stilbildende Trendsetter kleine Subkulturen groß machen, die alternatives Begehren in Disco-Format konsumierbar machen.

Letzteren ist es zu verdanken, dass Musik von The Hives, Foals, The Klaxons, Maximo Park oder Bloc Party mittlerweile zu hören ist in hiesigen Clubs: Die Welle ist übergeschwappt. So ist der Rock-Untergrund nun im „Virgin Club“ bei „Dance to the Underground“ zu Hause. Im „plus+“ kommt Rock zum Zuge bei Event-Formaten wie „Yeah Yeah Yeah Club“ oder „plus rockt“. Diese Discos sind für die Goldstadt Vor(-Rock-)Reiter, andere werden hinterhergaloppieren.

Szeneapplaus. Abseits von Mainstream und dennoch im Zentrum der Pforzheimer Szene hat sich das „Ozon“ angesiedelt. Was dort geboten wird, ist regelmäßig erfrischend anders, mutig, überraschend. Man nehme die Veranstaltung am nächsten Samstag – das Quartett „Suitec“, eine Synthese aus Kunstprojekt und Elektro-Band, tritt auf – und deren Beschreibung zum Beleg:

„Vier Künstler. Eine Bühne. Sie treten an, um etwas zu schaffen, das größer ist als das Werk des Einzelnen. Ihre Mittel: Synthesizer, Live- und Elektro-Beats, Bass, Gitarre, Gesang und Grafiken. Eine Performance, die zu schweben scheint.“
Klingt das nicht anders? Ganz anders als Mainstream?

Szenewechsel. Eine stilbildende Großstadt-Discothek heißt „Zapata“. Große Erinnerungen darf man mit der Stuttgarter Großraumdisco verbinden: Konzerte von den Elektro-Rockern „Northern Lite“, Auftritte von David Guetta, der Geruch von schweißnasser Jugendkultur. Am Samstag schickt sich das „Zapata“ mal wieder an, eine Nacht zu veranstalten, die man lange nicht vergessen wird. Da kämpfen wollüstig-blutlüsterne Vampire auf der Tanzfläche gegen kaltblütige Vampir-Jäger, es regnet Kunstblut und ohrenbetäubender Techno schallt aus den Boxen. Genau wie im dreiteiligen Kinostreifen „Blade“, bloß verrückter. „Private Fiction“ heißt die irre Vampir-Party.