nach oben
04.02.2010

Warnstreik in Pforzheim

Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!“ Alte Gewerkschaftslyrik, die ihre Berechtigung hat, wenn es sich um die Montagebänder beim Daimler handelt. Wenn allerdings die Räder im öffentlichen Leben zum Stillstand kommen, dann wird es fragwürdig.

Denn im Grunde genommen ist es eine Unverschämtheit, was die Tarifparteien im öffentlichen Dienst dem Bürger dieser Tage zumuten. Schon einmal gehört, dass Pforzheim so pleite ist, dass dem Wartbergbad die Schließung droht, dass frei werdende Stellen in der Verwaltung ein Jahr lang nicht mehr besetzt werden, dass die Nordstadtschule auf Jahre eine Rumpelbude bleibt? Und dass das alles zu Lasten der Bürger dieser Stadt geht? Den Pforzheimern jetzt auch noch die Folgen eines von Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite ohne jedes Augenmaß geführten Tarifstreites zuzumuten, ist – pardon – voll daneben. Und es wird noch schlimmer dadurch, dass die Auseinandersetzung auf dem Rücken von noch Schwächeren ausgetragen wird – vor allem den Schülern, die gestern vergebens auf den Schulbus warteten. Würden etwa Krankenschwestern – trotz harter Arbeitsbedingungen und sicher auch nicht üppiger Bezahlung – Vergleichbares tun und streiken, statt sich um ihre Patienten zu kümmern? Wohl kaum.

Sicher: Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst gehören nicht zu den Topverdienern. Ihr Wunsch nach einer besseren Entlohnung ist durchaus nachvollziehbar. Nur: Wer diesen Anspruch mit den jetzt gewählten Mitteln durchsetzen will, braucht sich nicht wundern, wenn niemand dafür Verständnis hat.