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05.06.2009

Warum es so schwer ist, wie Obama zu sein

Da ist er wieder, der Superstar. Die uneingeschränkte Begeisterung über Barack Obama außerhalb der USA hat auch auf der vierten Auslandsreise seit seinem Amtsantritt nicht nachgelassen. Im Gegenteil, möchte man sagen – wobei die Euphorie, die seit der Entdeckung dieses ganz besonderen Politikers herrscht, ja im Grunde nicht zu steigern ist.

Das färbt auch auf die Haltung der Kanzlerin zu Obama ab: Verweigerte sie ihm vor seiner Wahl noch den Auftritt am Brandenburger Tor, kann sie ihm nun gar nicht nah genug sein – in der Hoffnung, dass etwas vom Glanz des neuen US-Präsidenten auch auf sie abfallen möge. Es sei ihr gegönnt, wenn sie ihn in seinen Bemühungen tatsächlich so unterstützt, wie sie es gestern zu Protokoll gab. Denn eines ist klar: Alleine kann auch ein Mann vom Kaliber des Barack Obama die Welt nicht retten.

Insofern sind seine Reisen stets auch Werbetour für seine Politik. Bis ins Detail diplomatisch ausgeklügelt sind sie unter anderem deshalb, weil es zu Obamas Strategie gehört, so viele Mächtige wie möglich für seine Ideen zu gewinnen. Anders ist auch nicht zu schaffen, was er vorhat. Eine Welt ohne Atomwaffen, umfassender Klimaschutz und ein funktionierendes Wirtschaftssystem, das die Globalisierung in für alle Menschen erträgliche Bahnen lenkt, sind zusammengenommen die größte politische Agenda, die ein Staatschef jemals in Angriff genommen hat.
Im Obama-Hype geht manchmal unter, dass dieser Mann nicht nur Charme sondern auch Ziele hat. Seine menschlichen Fähigkeiten sind für ihn – soweit muss man ihm vertrauen dürfen – nur Mittel zum Zweck. Obama braucht Verbündete. Und es ist nicht damit getan, dass sie ihn verbal unterstützen. Dass er seine Sache gut macht und die richtigen Ziele verfolgt, ist leicht gesagt. Mit ihm an einem Strang zu ziehen, ist schon schwerer. Genau darauf kommt es aber an. Obama nachzueifern heißt nicht, seine Gesten einzustudieren und Werbefilmchen ins Internet einzuspeisen, wie das inzwischen auch mancher deutsche Politiker versucht. Es bedeutet vor allem, eine Vision zu haben, sie mit Energie und Akribie zu verfolgen und dabei für alle anderen Menschen ersichtlich auch Mensch zu bleiben.
Das klingt gut und einfach, ist aber eine ungeheure Aufgabe. Deshalb ist es Unsinn sich zu fragen, wieso nicht alle Politiker so sind wie Obama. Merkel kann das nicht, auch Steinmeier kann es nicht. Müssen sie auch nicht. Falls sie Obama aber tatsächlich helfen wollen, nehmen sie sich viel vor und riskieren eine Menge Ärger. Noch hat der US-Präsident vor allem viel angekündigt. Macht er aber ernst und fordert Unterstützung ein, wird es ungemütlich. Einsatz in Afghanistan ohne Wenn und Aber, Umweltschutz, koste es was es wolle. Nur zwei Beispiele, was es heißt, für Obama zu sein. Kann Deutschland das?