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Beraten in Berlin über die Ukraine-Krise: Russlands Präsident Putin und Bundeskanzlerin Merkel. Foto: Alexei Druzhinin/S
Beraten in Berlin über die Ukraine-Krise: Russlands Präsident Putin und Bundeskanzlerin Merkel. Foto: Alexei Druzhinin/Sputnik/Archiv
19.10.2016

Weiter keine Bomben auf Aleppo vor Treffen Merkels mit Putin

Aleppo (dpa) - Die syrische und die russische Luftwaffe haben den zweiten Tag infolge keine Angriffe auf die umkämpfte Stadt Aleppo geflogen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Aktivisten aus Aleppos Rebellengebieten meldeten lediglich Kämpfe an der Front.Die Stadt im Norden Syriens gehört in dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte am Abend in Berlin mit Kremlchef

Wladimir Putin über die Lage in Syrien sprechen. An dem Treffen soll auch der französische Präsident François Hollande teilnehmen. Paris zählt zu den schärfsten Kritikern der russischen Syrien-Politik.

Die Verbündeten Russland und Syrien hatten am Montag einseitig eine achtstündige Feuerpause für diesen Donnerstag in Aleppo angekündigt. Am Dienstagmorgen setzten die Luftwaffen beider Länder überraschend ihre Angriffe aus. «Es ist so weit ruhig», sagte Ibrahim al-Hadsch, Sprecher der in Rebellengebieten aktiven Hilfsorganisation Weißhelme. «Es gibt keine Luftangriffe, aber Beschuss von Regierungskräften.»

Russland warnte vor einem

Scheitern der Waffenruhe, sollten sich nicht alle Gruppen daran beteiligen. «Ich schließe aus, dass wir die humanitäre Pause zusammen mit der syrischen Regierung einseitig verlängern können», sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow.

Beobachter gehen davon aus, dass Russland die Feuerpause am Dienstag verkündet hat, um Putin bei den Gesprächen mit Merkel den Rücken zu stärken. Das Außenministerium in Moskau rief die UN auf, die Waffenruhe für Hilfslieferungen in die umkämpfte Stadt zu nutzen.

Während der Feuerpause sollen Rebellen und Zivilisten Aleppos Rebellengebiete über Korridore verlassen können. Die Regimegegner lehnen das jedoch entschieden ab. «Das ist keine Waffenruhe», sagte der Sprecher der Rebellengruppe Fastakim, Sakaria Malahafdschi, der Deutschen Presse-Agentur. «Acht Stunden, um Aleppo zu verlassen, das kommt einer Aufforderung zur Kapitulation gleich.»

Auch Usama Abu Seid, Berater der moderaten Rebellengruppe Freie Syrische Armee (FSA), erklärte: «Das eigene Land zu evakuieren kommt nicht infrage.» Für Zivilisten fordern die Regimegegner Korridore, die von den Vereinten Nationen überwacht werden.

Die Rebellengebiete Aleppos hatten in den vergangenen Wochen die heftigsten syrischen und russischen Luftangriffe seit Ausbruch des Bürgerkrieges erlebt. Während das Regime den Westen der früheren Handelsmetropole kontrolliert, beherrschen Rebellen den Osten. Dort sollen noch rund 250 000 Menschen leben, die unter akutem Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung leiden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einigte sich nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit Putin auf einen Abzug der radikalen Fatah-al-Scham-Front aus Aleppo. «Wir haben diesbezüglich unseren Freunden die nötigen Befehle erteilt», sagte Erdogan, ohne Details zu nennen. Die Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) hat enge Beziehungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Russland rechtfertigt die Angriffe auf Aleppo mit dem Kampf gegen den Terror und fordert eine Trennung der moderaten Opposition von Radikalen.