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22.04.2008

Wie Lang Lang

Ich kann nur Geschichten erzählen. Von Nächten, aufreibender als Schleifpapier, und Schlaflosen, die sie durchtanzen. Von Platten und deren Anschubsern, die steil gehen. Und so weiter. Geschichten aus der Jugendkultur, Szenen aus der Szene werden hier aufgetischt, watteweich verpackt in Anekdötchen.

Hier und da bin ich angehalten, Termine zu erwähnen. Doch das ist nicht so mein Ding, dafür gibt es einen Szene-Kalender im Internet, der jeden Tag Überraschungen bereit hält unter:
www.pz-news.de/jugendstil

Ich will Geschichten erzählen, wie es mein iPod tut. Erzählungen auf dem iPod nennt man neudeutsch Podcasts. Gestern lauschte ich der biblischen Geschichte von König David. Da ging es um untreue Typen, die Sahneschnitten vernaschen wie Heidi Klum Joghurt-Gums. Es ging um One-Night-Stands, um (Un-)Treue, (Un-)ehrlichkeit – gelesen und kommentiert in junger Sprache. Obschon dem alten Testament entstammend, könnte die Episode eine Szene aus der Szene sein. Mehr biblische Szene-Szenen namens „e/motion podcasts“ kann man sich im Internet kostenlos herunterladen:
www.cvjm-emotion.de

Szeneapplaus.  Die Elterngeneration kann die Jugend oft nicht verstehen. Sie fragt dann Sachen wie: „Warum fliegen diese DJs durch die Welt? Wer will die hören? Die drehen doch nur Platten, das kann doch jeder.“

Quatsch mit Soße!

Deejays sind Künstler. Freilich nicht alle, aber manche. Es ist auch nicht jeder, der Klavier spielt, ein Großmeister à la Lang Lang. Wirklich famose Deejays wie Sven Väth sind nicht aufs Andrehen von Vinyl zu reduzieren, genauso wie große Pianisten nicht darauf zu beschränken sind, dass sie mit ihren langen, dünnen Fingern mal schwarze, mal weiße Tasten drücken. Nein, sowohl Sven Väths als auch Lang Langs können Hörer verzaubern mit Musik, die sie steuern, deren Zauber sie entfachen mit ihrer Handarbeit. DJs können Sphären eröffnen, die Seelen befreien. Unter Disco-Kugeln. Wie Lang Lang. In Konzert-Sälen.

Szenewechsel. Wenn DJs durch die Welt fliegen, machen sie auch manchmal halt in Pforzheim. So wie drei Briten am Wochenende. Die einen sind House-Legenden, nennen sich „Phats & Small“, beschallen am Freitag den Studentenclub „plus+“. Der andere ist eine Drum-’n’-Bass-Legende, heißt John B. und befleckt den „Virgin Club“ am Samstag mit einem unreinen Klang-Mischling aus Techno, Trance und Synthie-Elementen. Dieses englische Trio sollte man gehört haben.