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24.07.2009

Wirtschaftsminister Guttenberg beliebtester Politiker

Da mögen die Genossen gegen den schwarzen Baron aus Bayern noch so wettern: Karl-Theodor zu Guttenberg erreicht bei den Wählern inzwischen märchenhafte Sympathiewerte. Vielleicht liegt es an der Krise, vielleicht trifft der Freiherr auch nur auf die bislang ungestillte Sehnsucht der Wähler nach glaubwürdigen Leitfiguren – mit dem charismatischen CSU-Politiker jedenfalls überstrahlt ein neuer Star am eher tristen deutschen Politiker-Himmel inzwischen sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Der 37-jährige Freiherr ist ein Glücksfall für die Union. Er gelt sein Haar, spielt Klavier, besucht den Gottesdienst und mag Rockmusik. Vor nicht mal einem Jahr war er politisch ein Nobody. Seinerzeit kümmerte sich Guttenberg in seiner Partei um Außenpolitik. Im November 2008 wurde der politische Nobody dann überraschend CSU-Generalsekretär und seit Februar führt er das Wirtschaftsressort so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Damit hat ganz nebenbei ausgerechnet ein Adliger es geschafft, das Bürgerliche vom Mief des Spießigen zu befreien.
Aber Karl-Theodor zu Guttenberg tut nicht nur etwas für das Image der Union, sondern auch für den Ruf des deutschen Wählers. Der galt bislang als eher schlicht und durch Steuergelder käuflich. Im Superwahl- und Krisenjahr schien plötzlich das ungeschriebene Gesetz zu gelten, dass nur Politiker akzeptiert werden, die jedem schlingernden Unternehmen Subventionen und Rettungs-Milliarden nachwerfen. SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier startete die Botschaft vor den Opel-Werkstoren in Rüsselsheim – Merkel und viele andere folgten. Guttenberg aber machte seinen Widerspruch öffentlich. Und die Bürger bestraften ihn dafür nicht, sondern honorierten seine Haltung in Umfragen. Wohl auch wegen dieses Echos auf seine Geradlinigkeit ließ sich die Politik im Fall der Karstadt-Mutter Arcandor nicht mehr nötigen.
Natürlich wird die Charakterstärke des CSU-Ministers durch gewisse Rahmenbedingungen gestützt. Viele Politiker werden zum Vasallentum gegenüber der Partei bis hin zur regelmäßigen Verleugnung eigener Überzeugungen dadurch gezwungen, dass mangelnder Gehorsam gegenüber den Wünschen der Parteispitze zum Ende der Karriere und damit auch zum wirtschaftlichen Aus führen kann. Guttenberg hingegen darf sich dank adliger Herkunft wirtschaftlich so unabhängig fühlen, dass er sich seinen eigenen Kopf in jeder Hinsicht leisten kann.
Natürlich sind Umfragen nur Momentaufnahmen. Auf sie lassen sich dauerhafte Erfolge nicht aufbauen. Irgendwann mag auch Guttenberg von Fehlern und Unzulänglichkeiten eingeholt werden. Doch bewiesen hat er schon jetzt: Politikverdrossenheit hört dort auf, wo die Wähler nicht mehr unterschätzt werden.