

PFORZHEIM. Der Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Pforzheim-Enzkreis kritisiert die „unverhältnismäßigen Kürzungen“ der Stadt bei Beratungsstellen und in der Jugendhilfe. Er fordert eine Perspektive für die Aids-Hilfe.
Der Kreisverband des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes repräsentiert 28 Mitgliedsorganisationen, von der Jugend-, Straf- und Suchthilfe bis hin zur Altenhilfe. Die fünf Vorstandsmitglieder wenden sich jetzt in einem offenen Brief an die Gemeinderäte im Vorfeld der Haushaltsberatungen.
Sie fordern eine Diskussion mit der Stadt, bei der sie als Partner ernst genommen werden. Sie vermissen eine Sozialplanung, sehen die Beratungsstellen und Jugendhilfe über Gebühr betroffen und wollen eine Perspektive für die mit 65 Prozent Zuschusskürzungen betroffene Aids-Hilfe. Kein freier Träger des Paritätischen dürfe über 15 Prozent hinaus belastet werden, sagt Ute Hötzer, Geschäftsführerin von Q-Prints&Service. Schon vor sechs Jahren mussten die freien Träger zehn Prozent Einschnitte verkraften.
Bei allem Verständnis für die Streichungen aufgrund der desolaten Haushaltslage nennt Hötzer das Vorgehen „unverhältnismäßig“ und unwirtschaftlich. Denn weniger Beratung und Hilfe in Notlagen produziere Folgekosten, etwa durch steigende Arbeitslosigkeit und Kriminalität.
Bei der Aids-Hilfe solle ein kleiner Betrag eingespart werden, der aber dazu führe, dass vielleicht die gesamte Aids-Hilfe mitsamt dem ehrenamtlichen Know-how wegbreche. Ursprünglich habe die Stadtverwaltung 15 Prozent Kürzungen angekündigt – Pro Familia und die Lilith-Beratungsstelle seien aber beispielsweise beide mit 20 Prozent betroffen. Mit kaum finanziellen Spielräumen versehen und einem Spendenanteil an der Finanzierung der Arbeit von 25 Prozent, kann Lilith laut Blonski kaum noch auf diesen Einschnitt reagieren.
Wie der Enzkreis sparen werde, sei noch unklar, sagt Katja Kreeb, Geschäftsführerin von „Miteinander Leben“. Sie rechnet mit Kürzungen bei der Jugendsozialarbeit. Harald Stickel, Gesamtleiter der AG Drogen, muss mit 35 000 Euro weniger auskommen.
Da der Verein mehre Geldgeber hat, die Stellen zusammen mit der Stadt finanzieren, sei der reale Schaden durch das mögliche Wegbrechen von Kofinanzierungen noch nicht absehbar.
„Wir verlieren jedes Jahr ganze Generationen von Jugendlichen, die ohne Arbeit wegrutschen“, sagt Hötzer. Ihre Einschätzung nach liegt die Brisanz des wegbrechenden Hilfesystems in der Verfestigung von Armut. Das gefährde den sozialen Frieden in der Stadt.
Angela Blonski, Lilith-Beratungsstelle
Autor: MARTINA SCHAEFER





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