nach oben
01.08.2008

ver.di-Chef Frank Bsirske auf Lufthansa-Kosten in die Südsee

Gewerkschaftsfunktionäre und Betriebsräte haben in der Vergangenheit zur Genüge dafür gesorgt, dass das einst bewunderte Bild des Arbeiterführers, der sich an vorderer Front für die Rechte der Beschäftigten einsetzt, teilweise bis zur Unkenntlichkeit eingetrübt worden ist.

Beispiele: Der ehemalige IG-Metallchef Steinkühler hat sich seinerzeit durch sein Insider-Wissen als Daimler-Aufsichtsrat mit Aktienspekulationen eine goldene Nase verdient. Das war enttäuschend.

Noch schlimmer trieben es Arbeitnehmervertreter bei VW: sie ließen sich vom Management korrumpieren und auf Firmenkosten zur sexuellen Lustbefriedigung um die halbe Welt fliegen. Das war der Gipfel. Lediglich ungeschickt dagegen war das Vorgehen von Gewerkschaftschef Manfred Schell, der unlängst meinte, während des Höhepunkts im Lokführerstreik eine Kur antreten zu müssen.

Ver.di-Chef Frank Bsirske hatte genügend Anschauungsmaterial, um aus den Defiziten und Ungeschicklichten von Gewerkschaftskollegen lernen zu können. Dennoch ließ er sich und seine Frau kostenlos von der Lufthansa in die Südsee zum Urlaub fliegen. Kostenvorteil laut „Bild“-Zeitung: Schätzungsweise rund 10 000-Euro. Und das ausgerechnet kurz vor einem von ver.di eingeleiteten Streik, bei dem die Beschäftigten der Kranich-Airline für bessere Tarifbedingungen auf die Straße gingen. Damit bewies Bsirske die Sensibilität eines Vorschlaghammers.

Klar ist: Mit der Schäbigkeit der VW-Affäre hat dies nichts zu tun. Und auch von ungerechtfertigter Bereicherung kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Bsirske hat juristisch eine völlig weiße Weste. Als stellvertretendem Aufsichtsratsmitglied der Lufthansa AG steht es ihm – wie übrigens auch anderen Mitgliedern dieses Gremiums – zu, sich kostenlos mit Anhang erster Klasse um den Globus fliegen zu lassen. Auch privat.

Allerdings hat ein Gewerkschaftsführer eine besondere Vorbildfunktion. Schließlich soll er auch die Interessen von Beschäftigten vertreten, die sich mit ihren Einkommen am Existenzminimum bewegen. Ein Arbeitnehmervertreter, der ausgerechnet die luxuriösen Annehmlichkeiten eines Unternehmens in Anspruch nimmt, das zeitgleich wegen besserer Verdienstbedingungen von seiner Gewerkschaft bestreikt wird, der macht sich höchst unglaubwürdig und handelt zutiefst unmoralisch.

Allerdings handelt es sich hier nicht um einen Fall Bsirske, sondern um die Rolle von Aufsichtsräten in deutschen Aktiengesellschaften schlechthin. Warum sollen diese gut bezahlten Kontrolleure – darunter übrigens weit mehr hochdotierte Manager als Gewerkschafter – überhaupt private Vergünstigungen bekommen? Der deutschen Unternehmenskultur würde ein Weniger an persönlicher Vorteilsnahme mit Sicherheit ein Mehr an Ansehen bringen.