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Trauer im Nemesio Camacho Stadion in Bogota. Foto: Leonardo Munoz
Trauer im Nemesio Camacho Stadion in Bogota. Foto: Leonardo Munoz
30.11.2016

Absturztragödie: Fußballclub vor ungewisser Zukunft

Medellín (dpa) - Nach dem Tod fast der kompletten Profimannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien steht der Verein vor einer ungewissen Zukunft. Ein Bündnis von prominenten Erstligateams aus Brasilien brachte eine Art «Lex Chapecoense» ins Spiel.Traditionsclubs wie Corinthians, Palmeiras und FC Santos schlagen dem Fußballverband vor, dass der Club kostenlos Spieler leihen kann und dass Chapecoense drei Jahre lang nicht aus der Serie A absteigen kann - unabhängig vom Tabellenstand.

Neben 19 Fußballern starben auch 20 Journalisten, die das Team zum Finalhinspiel der Südamerika-Meisterschaft Copa Sudamericanana bei Atlético Nacional Medellín begleitet hatten. Die Behörden hatten zunächst von insgesamt 75 Toten gesprochen. Weil aber nicht wie lange angenommen 81, sondern nur 77 Passagiere an Bord waren, konnten sie die Zahl auf 71 Tote und sechs Überlebende korrigieren. Die Bergung der Leichen sei abgeschlossen, teilte der Katastrophenschutz mit.

Unter den Opfern befindet sich auch der frühere brasilianische Nationalspieler Mário Sérgio Pontes da Paiva (66). Er reiste als Sportjournalist von Fox Sports mit dem Team nach Medellín. 1983 war Mario Sérgio einer der Bezwinger des Hamburger SV beim 2:1-Sieg von Grêmio Porto Alegre im Weltpokal-Endspiel in Tokio. Im Heimstadion des Clubs im südbrasilianischen Chapecó kam es zu ergreifenden Szenen, Angehörige lagen sich weinend in den Armen, zum Gedenken an die Opfer wurden rote Rosen in die Tornetze gehängt. Tausende versammelten sich in der Arena Condá und zu Gedenkgottesdiensten.

Am kommenden Sonntag wäre das letzte Saisonspiel gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte gewesen und danach das Rückspiel gegen Atlético Nacional. «Brasiliens Fußball ist in Trauer. Das ist so ein tragischer Verlust», teilte Fußball-Legende Pelé bei Twitter mit.

Das Charterflugzeug vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia war am späten Montagabend (Ortszeit) in rund 3000 Meter Höhe am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión verunglückt - im Landeanflug, knapp 40 Kilometer vor Medellín. Die Maschine war vor drei Wochen auch von Argentiniens Nationalmannschaft mit Superstar Lionel Messi nach einem WM-Qualifikationsspiel in Brasilien (0:3) genutzt worden. Die kolumbianische Luftfahrtbehörde nannte als eine mögliche Ursache Treibstoffmangel. Die beiden Blackboxes konnten in bergigem Gelände sichergestellt werden und sollen Aufschluss liefern.

Nach Angaben der Behörden ist unter den Toten auch Torwart Danilo - er war mit spektakulären Paraden der Held im Halbfinale gegen den Lieblingsclub von Papst Franziskus, San Lorenzo aus Argentinien. Medien zitierten zudem einen Motivationsspruch des getöteten Trainers Caio Junior, der vor einem der letzten Spiele zu seinem Team sagte: «Wenn ich heute sterbe, sterbe ich glücklich.» Der Finaleinzug war der bislang größte Erfolg des Vereins. In Brasilien wurde von Präsident Michel Temer eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Glück hatte der argentinische Spieler Alejandro Martinuccio - der Stürmer konnte wegen einer Verletzung die Reise nach Kolumbien nicht antreten und zeigte sich erschüttert. Zudem überlebten einige weitere Spieler, weil sie gesperrt waren oder nicht berufen worden waren.

Unter Luftfahrtexperten ist der von British Aerospace gebaute Avro RJ85 vor allem wegen seiner leisen und vergleichsweise schadstoffarmen Triebwerke bekannt. Der vierstrahlige, ursprünglich BAe 146 genannte Jet, kommt auf der Kurz- und Mittelstrecke bei rund 60 Fluggesellschaften in mehr als 30 Ländern rund um den Globus zum Einsatz - unter anderem bei der Lufthansa-Tochter Eurowings.

Es gibt drei verschiedene Versionen, die sich in der Länge unterscheiden und je nach Typ zwischen 70 und 112 Passagiere befördern können. Der Jet ist mit einer Reisegeschwindigkeit von 760 Stundenkilometern unterwegs und hat eine Reichweite von 2600 Kilometern.