26° Aktuelles Wetter
Do, 24.05.2012
> Zum Wetter
06. Februar 2012
Die sibirische Kälte hält große Teile Europas fest umschlungen. Foto: Patrick Pleul
Die sibirische Kälte hält große Teile Europas fest umschlungen. Foto: Patrick Pleul

Eiseskälte lähmt Europa - Mehr als 300 Tote

Berlin (dpa) - Rekordkälte im Nordosten Deutschlands, Hunderte Tote in Osteuropa und Packeis auf Flüssen - der Eiswinter 2012 wird immer bedrohlicher. In Deutschland wurden in der Nacht zum Montag neue Tiefstwerte gemessen. In der Stadt Usedom sanken die Temperaturen auf minus 29,1 Grad.

Anzeige

Damit wurden die bisherigen Kälterekorde aus dem Eiswinter 1956 leicht übertroffen. «Es war die kälteste Nacht dieses Winters, das wird wohl nicht mehr gesteigert», sagte Meteorologe Marcus Beyer. Was für die meisten nur den Alltag mühsamer macht, ist für die Armen lebensgefährlich: Bisher kamen mehr als 300 Menschen in der Kälte ums Leben.

Teile Deutschlands und Europas gleichen einem Gefrierschrank: In Baden-Württemberg wurden in Leutkirch minus 24,6 Grad gemessen. In Berlin waren es minus 24,0 Grad. Selbst auf Mallorca wurden mit minus 5,7 Grad die niedrigsten Temperaturen seit 40 Jahren verzeichnet.

Besonders dramatisch ist die Lage in Osteuropa. In der Ukraine kostete die bittere Kälte mit Temperaturen bis minus 30 Grad mindestens 135 Menschen das Leben, wie das Zivilschutzministerium in Kiew mitteilte. In den Krankenhäusern werden 2000 Menschen mit Erfrierungserscheinungen behandelt. In Polen erfroren in der Nacht zum Montag neun Menschen, die Zahl der Kältetoten stieg seit dem 27. Januar auf 61, wie das Warschauer Innenministerium mitteilte. In Tschechien hält die Gemeinde Kvilda an der Grenze zu Bayern weiter den Kälterekord des Landes: Dort zeigte das Thermometer am Montag minus 39,4 Grad.

In Bulgarien folgten der arktischen Kälte heftige Regenfälle, die zu Überschwemmungen führten. Dabei kamen mindestens acht Menschen ums Leben, wie der staatliche Rundfunk in Sofia berichtete.

Selbst den Menschen in Südeuropa macht die ungewöhnliche Kälte zu schaffen: In Italien starben Schätzungen zufolge bislang zehn Menschen. In Rom und zahlreichen anderen Städten blieben am Montag Schulen und Behörden geschlossen. Zehntausende Menschen waren in Mittelitalien noch immer ohne Strom. Aus Frankreich wurden am Wochenende vier Tote gemeldet. Während es in Deutschland bei der Bahn kaum Probleme gab, leidet die Binnenschifffahrt. In Bayern war der Main-Donau-Kanal auf einer Länge von 115 Kilometern gesperrt, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Nürnberg mitteilte. 32 Schiffe konnten nicht weiterfahren. Auch den Schiffen auf dem deutschen Oberlauf der Elbe droht die Zwangspause wegen Treibeises. «In maximal 48 Stunden wird der Fluss zwischen Saale und Dresden gesperrt, wenn das Wetter so bleibt», sagte Wolfgang Schwehla vom Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden.

Frost-Frust schoben viele Autofahrer: Bei der klirrenden Kälte fielen deutlich mehr Batterien aus als sonst. «Die Nachfrage ist um etwa 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen», sagte Dietmar Clysters, Sprecher des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Er rät Autofahrern, bei Kurzstrecken nicht gleich Klimaanlage, Scheibenheizung und Sitzheizung einzuschalten.

Wintersportler kamen dagegen auf ihre Kosten. Auf den Skipisten der Zugspitze herrschte reger Betrieb, wie eine Sprecherin der Zugspitzbahn sagte. «Wir haben beste Bedingungen bei Sonnenschein, blauem Himmel und einer bis zu 150 Kilometer weiten Fernsicht.» Die Skifahrer wüssten, dass sie bei Temperaturen um minus 20 Grad auf die richtige Kleidung achten müssten.

Die Aussichten für die kommenden Tage sind weiter eisig: Zwar lässt die Kälte ein bisschen nach, wenn Wolken von Mittelmeer-Tief «Julia» Deutschland streifen. Ab Dienstag kann es ein wenig schneien, aber viel wird nach Einschätzung der Meteorologen nicht zusammenkommen. Nachts herrscht weiter strenger Frost, stellenweise auch wieder minus 20 Grad und darunter.

In der Schweiz wurde ein Kälterekord in bewohnten Gebieten für diesen Winter gemessen: In der Gemeinde Samedan nahe St. Moritz im Südosten des Landes fiel die Temperatur in der Nacht zum Montag auf minus 35,1 Grad.

Die tschechische Feuerwehr warnte eindringlich davor, Metallgegenstände zu berühren. Drei tschechische Jugendliche froren seit dem Kälteeinbruch vor einer Woche mit ihrer Zunge an Laternenpfosten fest, weil sie am Eis lecken wollten. Zuletzt mussten die Beamten in der Gemeinde Chodov einen 14-Jährigen mit warmen Tüchern aus seiner Notlage befreien.

06.02.2012
Schriftgröße A A A
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen
Anzeige
Top Angebote
Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Oberderdingen
Pforzheim
Exklusiv in der PZ

Das lesen Abonnenten am Donnerstag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":

Positive Nachrichten vor den Pfingstferien: Die Wasserqualität in Europas Urlaubsländern stimmt weitgehend. Seite 20

Hier geht es zum PZ-Abo und zum 14-Tage-Probeabo

Hier geht es zum E-Paper ...

PZ lesen per E-Paper

zum Log-In                       zur Startseite

Umfrage
Ist die Energiewende noch zu schaffen?
PZ-news auf Facebook
Webcam
Do, 24.05.2012 03:29
Anzeige
Anzeige