15° Aktuelles Wetter
Do, 23.05.2013
> Zum Wetter
19. Juli 2012
Ein Pfleger hält die Hand einer alten, kranken Frau, die als Pflegefall bettlägerig ist. Foto: Oliver Berg / Archiv
Ein Pfleger hält die Hand einer alten, kranken Frau, die als Pflegefall bettlägerig ist. Foto: Oliver Berg / Archiv

Straßburg entscheidet nicht über Sterbehilfe in Deutschland

Straßburg (dpa) - Der Streit über ein mögliches Recht auf Sterbehilfe in Deutschland wird vorerst nicht in Straßburg entschieden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) beschränkte sein Urteil am Donnerstag auf eine formale Beanstandung.

Anzeige

Zur Frage, ob deutsche Behörden einer gelähmten Frau ein tödliches Medikament hätten gewähren müssen, äußerten sich die Richter nicht. Die deutschen Gerichte hätten den Fall jedoch nicht ausreichend geprüft. Der Witwer der Frau sei deshalb in seinen Rechten aus der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt (Beschwerdenummer 497/09).

Das Bundesinstitut für Arzneimittel in Bonn hatte einer querschnittsgelähmten Frau ein tödliches Medikament für einen Suizid in Deutschland verweigert. Die Frau war nach einem Sturz auf künstliche Beatmung sowie ständige Betreuung durch Pflegepersonal angewiesen; sie wollte daher ihrem Leben ein Ende setzen. Schließlich wich sie in die Schweiz aus, wo sie sich 2005 mit Hilfe des Sterbehilfe-Vereins «Dignitas» das Leben nahm.

Der in Braunschweig lebende Witwer hatte Beschwerde beim EGMR eingereicht. Er machte eine Verletzung des Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens geltend. Dies umfasse auch das Recht auf ein menschenwürdiges Sterben.

Deutsche Gerichte hatten die Klagen des Mannes abgewiesen, da er nicht in eigenen Rechten verletzt sei. Das kritisierte der Gerichtshof: Der Witwer habe «ein starkes und fortbestehendes Interesse» gehabt, den Fall vor Gericht prüfen zu lassen. Er sei deshalb direkt in seinen Rechten betroffen. Das hätten die deutschen Gerichte nicht berücksichtigt.

Der Witwer habe eine sehr enge Beziehung zu seiner Frau gehabt, mit der er 25 Jahre lang verheiratet war. «Herr Koch hatte seine Frau auf ihrem Leidensweg begleitet, hatte schließlich ihren Wunsch akzeptiert, ihrem Leben ein Ende zu setzen und war mit ihr in die Schweiz gefahren, um diesem Wunsch umzusetzen.» Auch habe er gemeinsam mit seiner Frau Widerspruch gegen die Behördenentscheidung eingelegt. Dies seien «außergewöhnliche Umstände», der Witwer sei deshalb direkt in seinen eigenen Rechten betroffen.

Es sei der Frau nicht zuzumuten gewesen, selbst den Ausgang der Verfahrens vor deutschen Gerichten abzuwarten, urteilte der EGMR - diese Verfahren seien erst rund drei Jahre und neun Monate nach ihrem Tod abgeschlossen worden. Zudem betreffe der Fall «grundlegende Fragen im Zusammenhang mit dem Wunsch von Patienten, ihrem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen», die über den konkreten Fall hinaus von allgemeinem Interesse waren.

Zu den grundlegenden Fragen der Sterbehilfe äußerten sich die Straßburger Richter allerdings nicht. Es sei «in erster Linie Aufgabe der deutschen Gerichte» gewesen, diese in der Sache zu prüfen. «Dies galt umso mehr, als unter den Mitgliedstaaten des Europarats kein Konsens hinsichtlich der Zulässigkeit jeglicher Form der Beihilfe zur Selbsttötung besteht», so der Gerichtshof. Nur in vier von 42 untersuchten Staaten sei es Ärzten erlaubt, Patienten ein tödliches Medikament zum Zweck der Selbsttötung zu verschreiben.

Im vergangenen Jahr hatte der EGMR in einem Schweizer Fall entschieden, dass Staaten jedenfalls nicht verpflichtet sind, Suizidwilligen ohne ärztliches Rezept ein tödliches Medikament zur Verfügung zu stellen.

19.07.2012
Schriftgröße A A A
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen


Anzeige
Top Angebote
Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Oberderdingen
Pforzheim


Exklusiv in der PZ

Das lesen Abonnenten am Freitag in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":

Nicht immer haften Eltern für ihre Kinder. Die PZ erklärt, welche Regeln hier gelten. Seite 27

Hier geht es zum PZ-Abo und zum 14-Tage-Probeabo

Hier geht es zum E-Paper ...

PZ lesen per E-Paper

zum Log-In                       zur Startseite

Umfrage
Kleine Cent-Münzen abschaffen?


PZ-news auf Facebook








Webcam
Do, 23.05.2013 17:44
Anzeige