«Playing Cards 1: Spades» spielt in Las Vegas und Bagdad gleichzeitig. Foto: Horst Ossinger
«Playing Cards 1: Spades» spielt in Las Vegas und Bagdad gleichzeitig. Foto: Horst Ossinger

Ruhrtriennale: Theaterkünstler spielt mit den Karten

Essen (dpa) - Pik, Herz, Karo, Kreuz: Für Regisseur Robert Lepage liefert das Spiel mit den Karten Stoff für einen Theaterzyklus. Bei der Ruhrtriennale war jetzt Auftakt mit dem Pik. Vor allem der Bühnenbildentwurf imponiert.

Anzeige

Der 54 Jahre alte Frankokanadier Robert Lepage hat sich im Theater und Filmgeschäft einen Namen gemacht. Er ist sowohl Dramatiker und Drehbuchautor als auch Regisseur und Schauspieler. Seine technisch aufwendigen Theaterproduktionen entwickelt er immer weiter, während er mit seinem Ensemble «Ex Machina» um die Welt zieht und bei Fünfsternefestivals auf allen Kontinenten gastiert.

Jetzt ist die Produktion «Playing Cards 1: Spades» in der Regie von Lepage bei der Ruhrtriennale zu Gast - auf Deutsch heißt das: «Spiel mit Karten 1: das Pik». Am Freitag war Premiere im Salzlager der Zeche Zollverein in Essen. Das Publikum applaudierte nach der dreistündigen Aufführung begeistert. Lepage kann einen weiteren Erfolg verbuchen.

«Playing Cards 1: Spades» spielt 2003 in zwei Wüstenstädten gleichzeitig: in Las Vegas und Bagdad. Die USA marschieren im Irak ein. Eine der erschütterndsten Szenen zeigt die Durchsuchung einer Wohnung bei Nacht. Zwei Soldaten durchwühlen im ungewissen Zwielicht das Zimmer einer irakischen Familie und suchen nach Waffen auch an den Körpern der Verdächtigen. Dann geht das Licht an - es war nur eine Übung. Die Soldaten waren nicht rücksichtslos genug. Der Mann versteckte eine Pistole in seiner Unterhose, die Frauen kamen mit einem Dolch durch und einem Handy - mit dem könnten sie eine Bombe zünden. Der amerikanische Ausbilder brüllt.

Das sechsköpfige Ensemble, zwei Damen, vier Herren, spielt auf Englisch und Spanisch, Dänisch und Französisch. Die deutsche Übersetzung wird auf Flächen über der Bühne projiziert. Lepage und sein Ensemble, die gemeinsam den Text entwickelten, spannen mehrere Fabelstränge.

Am interessantesten ist die Geschichte eines Spielers, der sich von seiner Sucht befreien will. Er steht unter Druck, sein Gläubiger will Bares sehen. Niemand hilft ihm, da wird er rückfällig - und gewinnt. Doch statt mit dem Geld seine Schulden zu bezahlen, entschließt er sich, in die Wüste zu gehen. Dort trifft er auf einen seltsamen Kauz mit mephistophelischen Zügen. Träumt er, wacht er? Er scheint sein Geld zu verlieren, der Umschlag mit den Dollars taucht unversehens bei einem Spanisch sprechenden Zimmermädchen in einem Hotel in Las Vegas auf. Die Frau hat Angst, entdeckt zu werden, denn sie ist illegal. Es gibt noch mehrere andere Geschichten, sie stehen unverbunden nebeneinander.

Die Dialoge erzeugen mit den vielen Sprachen eine Atmosphäre der Globalisierung. Noch imponierender wirkt Jean Hazels konzentrierter Bühnenbildentwurf. Die Szene ist rund wie eine Manege, das Publikum sitzt im Kreis wie im Zirkus. Die Scheibe ist gleichzeitig eine Dreh- und eine Simultanbühne mit vielen Falltüren. Die meisten Auftritte erfolgen von unten: Eine Tür klappt auf und jemand steigt für den Auftritt auf die Bühne - oder steigt hinunter um abzugehen.

Die Szenen überlappen sich wie Überblendungen beim Film. Die erste ist noch nicht ganz fertig, da beginnt schon die nächste. Das ergibt eine verblüffende Geschmeidigkeit und begeistert das Publikum zusammen mit den originellen Ideen der Technik: Oft schweben Stühle und Tische vom Bühnenboden. Das Team von «Ex Machina» und der Ruhrtriennale, die den zauberisch wirkenden Ablauf ermöglichten, bekamen Extrabeifall - verdient.

Dem Auftakt von «Kartenspiel» fehlt Stringenz, die Fabelstränge baumeln am Ende in der Luft - einerseits ist das enttäuschend, andererseits entsteht Spannung, der Wunsch zu erfahren, wie das Stück weitergeht und wie es endet. Drei Teile stehen noch aus: Herz, Karo und Kreuz. Hoffentlich kommt Lepage wieder in Deutschland vorbei, wenn er seinen Vierteiler vollendet hat, damit wir erfahren: Was ist stärker im Kartenspiel wie im Leben - das Gesetz oder der Zufall?

22.09.2012
Artikel teilen
Anzeige
Wetter in Pforzheim
DonnerstagFreitagSamstag
10° | 12° | 15° |
Anzeige
Top Adressen






Anzeige
Top Angebote






Rätsel der Woche


Nehmen Sie an unserem Rätsel teil und sichern Sie sich die Chance auf einen von vielen tollen Preisen!

» Zum Rätsel der Woche «



Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Oberderdingen
Pforzheim
Exklusiv in der PZ

Das lesen Abonnenten am Donnerstag in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":

Keine Taschen und keine Jacken durften mit in den Großen Saal des Kulturhauses Osterfeld. Der Gast machte den ungewohnt hohen Sicherheitsaufwand nötig: Hamed Abdel-Samad wird seit Jahren mit dem Tode bedroht und lebt unter ständigem Polizeischutz. Der Ägypter hat auch über sein jüngstes Buch „Der islamische Faschismus“ gesprochen. Seite 3

Hier geht es zum PZ-Abo und zum 14-Tage-Probeabo

Hier geht es zum E-Paper ...

PZ lesen per E-Paper

zum Log-In                       zur Startseite

Umfrage
Ist der Lokführerstreik legitim?
Umfrage
Welches Fußballspiel wollen Sie im Video sehen?
Vor dem Anpfiff 2014/2015

Hier finden Sie die
komplette Sonderbeilage
der Pforzheimer Zeitung
zum Lokalfußball.

» Zum Download «

PZ-news auf Facebook






Kultur- und Stadtatlas Pforzheim

Museen und Galerien, Schmuck und Design, Theater, Kleinkunst, Kino, Freizeit und Events, Ausflüge in die Region, detaillierte Stadtpläne und mehr ...

» Zum Download «





Webcam
Do, 23.10.2014 10:37
Singles aus der Region finden