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10.06.2011

110.000 Euro unterschlagen? Angeklagter mit Knast-Erfahrung

PFORZHEIM. Mit dem kriminellen Vorleben des Angeklagten hat sich im Untreueprozess gegen einen heute in München lebenden Mann das Schöffengericht am Amtsgericht in Pforzheim beschäftigt. Unter Vorsitz von Richter Karl-Michael Walz kamen zahlreiche Details zur Sprache. Der 34-jährige Mann soll während seiner Tätigkeit bei einer mittlerweile insolventen Bauträgerfirma im südwestlichen Enzkreis über 110 000 Euro veruntreut haben.

Dem gelernten Fliesenleger wird vorgeworfen, das Geld für private Zwecke, etwa eine Ausbildung zum Helikopterpiloten, für die eigene Hochzeit oder die eigenständige Gehaltserhöhung, verwendet zu haben. Seit Prozessbeginn schweigt der Angeklagte zu den von Staatsanwalt Peter Stadler erhobenen Vorwürfen. Doch der 34-Jährige ist für die Justizbehörden kein Unbekannter, da er 2004 wegen gemeinschaftlichen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten rechtskräftig verurteilt worden war. Unter Verwendung falscher Namen hatte die Bande seinerzeit Darlehensverträge vorgetäuscht. Dabei ging es um Kredite zwischen 8,5 Millionen und 40 Millionen Euro, für die Anzahlungen im sechsstelligen Euro-Bereich fällig und auch kassiert wurden. Der damalige Prozess war erst zustande gekommen, nachdem der Mann mit einem internationalen Haftbefehl in Ungarn aufgespürt und an die deutschen Behörden überführt werden konnte. 

Die Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren musste der Betrüger nicht vollständig absitzen und konnte sich als sogenannter Freigänger ein neues Leben aufbauen. Da er nunmehr Vater geworden war, geheiratet hatte und die Arbeit bei der Bauträgerfirma im Enzkreis nachweisen konnte, wurde die Reststrafe mit einer „günstigen Sozialprognose“ zur Bewährung ausgesetzt. Diese Bewährungszeit ist allerdings noch nicht abgelaufen, so dass der Angeklagte bei einer möglichen neuerlichen Verurteilung auch noch die erlassene Gefängnisstrafe absitzen müsste. Der Strafprozess wird am 1. Juli um 10 Uhr am Amtsgericht Pforzheim fortgesetzt. mb