

Felix Weber hat Tränen in den Augen. So gerührt und überwältig ist der Huchenfelder, dass er im Seitenwagen von Jens Dammanns Motorrad mit auf Tour gehen kann. Erst in der Nacht zuvor hatte Weber, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, vom Pforzheimer Motorradtreffen für Menschen mit Behinderung erfahren und sich auf gut Glück zum Haus am Kappelhof aufgemacht.
Von dort starteten am Morgen geschätzte 100 Motorräder mit und ohne Beiwagen sowie Trikes bei bestem Wetter auf ihre rund 75 Kilometer lange Tour.
„Mich zerreißt es fast“, sagt Felix Weber voller Vorfreude. Früher sei er selbst Motorrad gefahren, und es sei einfach toll, die Landschaft bei geringer Geschwindigkeit zu betrachten und den Wind im Gesicht zu spüren. Mitfahren darf er bei Jens Dammann, der extra zu der Veranstaltung aus Leonberg gekommen ist. Überhaupt finden sich neben Pforzheimer Kennzeichen auch Nummernschilder aus Rastatt, Heilbronn, Heidelberg oder Mannheim an den teilnehmenden Maschinen.
Frank Vischer, Organisator der Ausfahrt vom Haus am Kappelhof, führt dies auf den mittlerweile recht großen Bekanntheitsgrad des nunmehr siebten Motorradtreffens für Menschen mit Behinderungen zurück. „Da wurden Freundschaften geknüpft, und auch die Polizei unterstützt uns sehr“, sagt Vischer.
Entstanden ist die Veranstaltung, als Vischer mit zwei Bewohnern des Hauses am Kappelhof, die selbst einen Motorradunfall hatten, eine Ausfahrt in privatem Rahmen organisierte. Daraus ergab sich die Idee, auch andere behinderte Menschen an diesem Erlebnis teilhaben zu lassen. Vorrangig für die Bewohner vom Haus am Kappelhof gedacht, von denen sich gestern 25 Teilnehmer angemeldet hatten, steht die Fahrt auch weiteren behinderten Menschen offen.
„Selbst wenn unsere Beifahrer nichts sagen können, sieht man die Freude in ihren glänzenden Augen“, sagt Alexander Augenstein aus Illingen, der seit ein paar Jahren immer einen Stammgast im Beiwagen seiner BMW dabei hat. Seine 20-jährige Tochter Jasmin hingegen ist das erste Mal mit dabei und umsorgt vor der Abfahrt ihre Beifahrerin Heike. „Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man das Lächeln in den Gesichtern sieht“, sagt sie. Die begeisterte Motorradfahrerin möchte mit ihrer Teilnahme behinderten Menschen eine Freude machen.
Auch ihre Honda mit Seitenwagen setzte sich dann knatternd im Konvoi in Bewegung. Begleitet von Polizei und Streckenposten der Biker Union, führte die Tour von Pforzheim über Tiefenbronn, Wimsheim, Wurmberg, Wiernsheim und Mühlacker nach Maulbronn. Dort legten die Biker und ihre Begleiter eine Pause ein, bevor es über Ölbronn, Bauschlott, Stein und Eisingen wieder zurück nach Pforzheim ging.
Nach dem Ende der Fahrt standen noch ein gemütliches Beisammensein mit Grillen und ein Konzert der „Sean Treacy Band“ auf dem Programm.
Autor: Nicola Hiller






