


PFORZHEIM. Als erste Stadt in Baden-Württemberg lässt Pforzheim eine Berufsschule mit Hilfe eines privaten Investors bauen. BAM Deutschland unterschrieb gestern den Vertrag für den Bau und Betrieb der Alfons-Kern-Schule.
Am Montag beginnen die Abrissarbeiten des Parkhauses an der Deimlingstraße. Innerhalb von nur 13 Monaten will die Bietergemeinschaft BAM Deutschland GmbH (Babcock & Brown/BAM Deutschland AG/Müller-Altvatter Gebäudemanagement) die Berufsschule bauen und 30 Jahre lang betreiben.
Nach Ablauf gehört sie der Kommune. Die Stadt zahlt nach Fertigstellung für die gesamte Laufzeit eine Summe von 80 Millionen Euro. Mit einer zusätzlichen finanziellen Belastung für die Kommune sei nicht zu rechnen, erklärte Professor Fritz Berner, Vorstandsvorsitzender, nach der Vertragsunterzeichung mit Oberbürgermeisterin Christel Augenstein. Elf sogenannte PPP-Projekte hat BAM bereits realisiert, die Hälfte davon seien Schulen gewesen. Rund 20 Prozent seines Gewinns erwirtschaftet der Konzern aus diesen so genannten PPP-Projekten (public private partnership).
Wollte die Stadt selbst bauen und betreiben, müsste sie nach eigenen Berechnungen 92 Millionen Euro in die Hand nehmen und hätte das Risiko der Kostensteigerung. Warum BAM günstiger bauen könne als die öffentlich Hand, erklärt Berner so: „Wir denken schon in der Bauphase daran, wie wir das Haus über die Jahre erhalten können.“ Änderungen in der Planung seien jetzt beispielsweise nicht mehr möglich. Augenstein sieht Pforzheim mit seiner Entscheidung, einen Investor mit ins Boot zu holen, in einer Vorreiterrolle.
Bevor die Alfons-Kern-Schule an der Enz abgerissen wird, will Denkmalpfleger Christoph Timm die Sonnenuhr an der Fassade gesichert wissen. Das Kunstwerk von Wolfgang Kappes aus dem Jahr 1956 soll an das nahe gelegene Werkstattgebäude versetzt werden. Erste Gespräche mit den Architekten habe es gegeben. Allerdings sei der Bauschmuck vor allem im Zusammenhang mit dem erhaltenswerten Gebäude zu sehen.
Den Abbruch wichtiger Gebäude aus den 50er Jahren wie die Alfons-Kern-Schule und auch das Hilda-Gymnasium sieht Timm als ein fatales Signal. Das Regierungspräsidium Karlsruhe habe die Schule als erhaltenswert eingestuft nicht aber als Baudenkmal, weil der Konflikt in der Stadt um das Gebäude zu präsent war.
Autor: MARTINA SCHAEFER





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