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26.11.2008

Amoklauf in Pforzheim im Jahr 2003: 24-Jähriger tötete Kollegin mit Samurai-Schwert

PFORZHEIM. Ein 24-jähriger Kelterner richtete am 15. September 2003 im Versandhaus Bader ein Blutbad an: Er tötete eine Kollegin mit einem mitgebrachten Samurai-Schwert und verletzte drei weitere Frauen schwer. Hier der damalige Bericht aus der Pforzheimer Zeitung vom 16. September 2003.

Blankes Entsetzen kurz nach halb neun Uhr im sechsten Stock des Versandhauses Bader an der Maximilianstraße in Pforzheim: Mit einem Samurai-Schwert bewaffnet, betritt der 24-jährige Stefan A. aus Keltern die Räume der Marketingabteilung im sechsten Stock – und schlägt zu: Er trifft eine 27-jährige litauische Auszubildende an der Stirn – sie lebt nur noch wenige Minuten. Drei weitere Frauen fallen dem um sich schlagenden Mann, der nach PZ-Information neuerdings Kampfsport betrieb, zum Opfer. Eine 57-Jährige verliert durch einen Hieb fast den Oberarm, muss mit einem von zwei Rettungshubschraubern in die Unfallklinik der Berufsgenossenschaften in Ludwigshafen geflogen werden. Zwei weitere Frauen in der Abteilung, eine 20- und eine 34-Jährige – erleiden zum Teil schwerste Rücken- und Handverletzungen. Die Polizei riegelt die Straßen ab, beginnt mit dem Durchkämmen des Gebäudes. Überall ist Blut, kauern Menschen unter Tischen. Auf dem gleichen Stockwerk hören die mit Schutzwesten ausgerüsteten Beamten ein Stöhnen aus der Toilette: Es ist der Mann, der bei Bader gelernt – und gekündigt – hatte und seit zwei Jahren wieder beim Versandhaus arbeitete. Er ist dabei, sich die Pulsadern aufzuschlitzen – mit der Klinge, deren Spitze bei einem der letzten Hiebe abgebrochen ist. Er lässt sich widerstandslos festnehmen und wird unter einer Decke getarnt, von Polizei und Rettungskräften auf einer Trage aus dem Gebäude gerollt. Das Kriseninterventionsteam der Polizei kümmert sich um die geschockten eigenen Kollegen, 14 Mitarbeiter der Notfallnachsorge des Roten Kreuzes betreuen die Bader-Beschäftigten. Das Amt für Jugend und Familie bietet dem Einsatzstab psychologische Betreuung und Hilfestellung der Angehörigen an. Oberbürgermeisterin Christel Augenstein zeigt sich erschüttert – wie Freunde und Kollegen, die bangend vor den Rundfunkgeräten sitzen oder auf der Straße stehen. „Das kann keiner glauben – mir sind die Tränen gekommen. Es ist ein Schrecken ohnegleichen”, so ein Betriebsrat.

Das Motiv des Täters liegt noch im Dunkeln. Menschen, die ihn kennen, erzählen übereinstimmend, er habe noch nie eine feste Freundin gehabt – bis er das spätere Todesopfer traf. Seine Annäherung an die 27-Jährige sei am Wochenende zurückgewiesen worden. War das der Grund, warum er am Montag betrunken Auto fuhr? Fest steht: An der Frankstraße wurde er von der Polizei angehalten, weil er nicht angegurtet war. Dabei stellten die Beamten Alkohol fest. Nach der positiven Blutprobe musste er den Führerschein abgeben. Gegen Stefan A., der sonst nie aus der Reihe tanzte, wie sich Freunde erinnern, wird wegen vollendeten und versuchten Totschlags ermittelt.