

Pforzheim. Die Stimme aus dem Off kann manchmal ganz schön bissig sein. Aber „Das perfekte Dinner im Schlafrock“ ist kein Ponyhof. Wer in dieser TV-Show des Senders Vox mitmacht, muss es zulassen, dass Millionen von Fernsehzuschauern Einblick in ganz private Bereiche nehmen. Und er muss die nicht immer netten Kommentare erdulden. So darf sich Angelica Witzenmann nicht beklagen, wenn die Stimme aus dem Hintergrund die Pforzheimer Entertainerin reichlich salopp als „Duschschlauch-Diva“ bezeichnet.
Immerhin ist sie Teil der durchaus mit viel Kreativität gesegneten Metallschlauch-Dynastie und damit ein echter Pforzheimer Promi. Das reicht für eine mehrteilige Sendung mit anderen Leuten, die mal bekannt waren oder es noch werden wollen.
Am Dienstag steht die immer noch sehr vital und lebenslustig wirkende Angelica Witzenmann im Mittelpunkt. Der kurze Rock mag ja schon Blickfang sein, aber der Fokus liegt in der Vox-Show zunächst mehr auf den handwerklichen Qualitäten in der Küche der alten Witzenmann-Villa im Süden Pforzheims. Dort hilft, zumindest für die Kamera, die Schwiegertochter aus. Und Angelica Witzenmann braucht Unterstützung, denn eines wird schnell klar: Die Küche ist nicht der natürliche Wohlfühlort der früheren Pforzheimer Boutiquen-Besitzerin und gelegentlichen Chansonsängerin.
Ihre Menüfolge für das perfekte Dinner ist eine Mischung aus ambitioniertem Luxus und solider bürgerlicher Kost. Vorspeise: Wachteleier auf Spinatnest mit Alba-Trüffel. Hauptgericht: Züricher Geschnetzeltes mit Rösti, frischen Kräutersteinpilzen und Feldsalat. Dessert: exotischer Obstsalat mit Pfauenauge. Im Vorfeld jedenfalls traf sie den Geschmack ihrer Gäste.
Restaurantfachfrau Wioletta, 25 Jahre und wild gelockt, hatte zunächst Schwierigkeiten, das Motto des Abends einzuordnen. Sie dachte, das Motto sei die Vorspeise. Statt „Music and Dine“ las sie „Musik und Döner“. Das hat schon etwas vom herrlich blond-naiven Katzenberger-Stil. Aber das ist eine andere Sendung. Wioletta hoffte darauf, ein halbes Dutzend Wachteleier serviert zu bekommen, „weil ansonsten werde ich dadurch nicht satt“.
Vorstandsvorsitzender Frank, der im Vorfeld des Abends in Pforzheim von einem Steak mit Pommes Frites träumte, war zufrieden mit dem Zürcher Geschnetzelten. Hauptsache Fleisch. Aber Fremdsprachensekretärin Ellen wertete den Hauptgang nach dem Essen eher verhalten. Das teilweise kalte Geschnetzelte sei „nicht der Bringer“ gewesen. So richtig geglückt nämlich sind Angelica Witzenmann weder das Geschnetzelte noch die Rösti.
Und das Dessert? „Nett“, meint Frank, aber „da fehlte irgendwie ein Kick“. Dabei hatte die Gastgeberin ganz im Zeichen der Goldstadt Pforzheim „ein bisschen Gold oben drauf“ platziert.
Immerhin: Am Ende gab es 29 von 40 möglichen Punkten, und die Entertainerin aus der Fabrikantenfamilie hatte so viel wie Wioletta, die erste Gastgeberin aus der VOX-Dinner-Serie, erreicht. Zen-Mönch und Künstler Gregor gab gar neun von zehn Punkten, hätte auch gerne mehr gegeben, wenn die perfekte Note für das perfekte Dinner nicht seiner Philosophie widersprochen hätte.
Doch Angelica Witzenmann wäre wohl nicht zur Vox-Kochshow eingeladen worden, wenn sie nicht noch ein anderes Talent hätte. Sie schnappt sich das Mikrofon und singt zu Klavierklängen. Ellen, 37 Jahre und recht brav wirkend, schätzt die Entertainerin ganz unbrav als „Selbstdarstellerin“ ein. Soll wohl heißen: Ihr hat der Gesangsvortrag nicht so sehr gelegen.
Wioletta hat es „sehr gut gefallen“, aber sie hatte es sich „ganz anders vorgestellt“. Mit Angelica Witzenmann verband sie eine „hohe Stimme wie in Oper oder so“. Aber das Gegenteil ist der Fall: Angelica Witzenmann singt mehr wie Hildegard Knef, Zarah Leander oder Marlene Dietrich. Die tiefe Stimme hat etwas vom Zauber der großen alten Chansonsängerinnen.
Für Angelica Witzenmann selbst gilt: „Ich habe mir sehr große Mühe gegeben.“ Ganz ohne falsche Bescheidenheit spricht sie in die Kamera: „Ich glaube, für meine Begriffe, habe ich heute das perfekte Dinner gegeben.“ Geholfen haben dabei „begleitende Weine und Champagner“ sowie der selbst gestaltete Entertainment-Teil. Zumindest der ewig relaxte Zen-Mönch Gregor fand das alles „sehr festlich“.
Nur einmal verliert die Pforzheimer Gastgeberin vor der Kamera kurz die Contenance. Ellen, Wioletta, Frank und Gregor spielen beim Aperitif ein bisschen mit den auf einem Glastisch gestapelten Golfbällen. „Da darf man nicht dran“, ruft es warnend aus dem Hintergrund. Die Tischdekoration hat das Herumgefingere der Gäste überlebt.
Mal sehen, was bei Gregor so auf dem Tisch herumliegt, beziehungsweise auf den Tisch kommt. Der in sich ruhende Kahlkopf ist nämlich am Mittwoch der Gastgeber der Vox-Show. Beim "Perfekten Dinner" auf VOX haben übrigens auch schon andere Pforzheimer Stars wie die Boxlegende Rene Weller und Marcus Eberhardt, im Rotlicht-Milieu zu Geld gekommener Adoptiv-Prinz, mitgewirkt. tok
Autor: tok





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Leserkommentare (14)
Mehr KommentareLiebe Redaktion; diese Show von Mo bis Fr ist nicht das Promi-Dinner, sondern eine Kochshow mit Unbekannten. Einfach den Titel der Fernsehsendung richtig lesen. mehr...
Diva Witzenmann?? Zum Lachen!!! Eine Möchtegern-Berühmtheit, die Probleme mit dem Älterwerden hat. So ist es wohl. Da nützt auch die Kohle nix. mehr...
Alles wie bei "kleinen Leuten". Nur nicht so schön. So'ne Art Dschungelcamp in der Küche. Megapeinlich!!! mehr...