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10.03.2011

Betrug? Rache an Freunden bleibt unbestraft

PFORZHEIM. Aus rechtlichen Gründen wurde am Amtsgericht Pforzheim ein 26-jähriger Mann freigesprochen, der via Internet unter Angabe der Bankdaten von ehemaligen Freunden sein Mobilfunktelefon aufgeladen hat.

„Dieses Verhalten ist nicht strafbar“, begründete Richter Fabian Krüger nach eingehender Prüfung sein Urteil. Denn gleich mehrere Vorwürfe standen bei der Gerichtsverhandlung im Raum. Hat der Angeklagte beweiserhebliche Daten gefälscht? Liegt eine Täuschung im Rechtsverkehr vor oder hat sich der Mann sogar des Computerbetrugs in mehreren Fällen schuldig gemacht? Mit einem eindeutigen „ja“ beantwortete diese Fragen Christian Gohde, weshalb der Rechtsreferendar der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten gefordert hatte. Eine Bewährung könne nicht gewährt werden, so Gohde, da der Mann einschlägig vorbestraft ist und wegen Betrugs schon eine Freiheitsstrafe absitzen musste.

„Keine Fälschung und kein Computerbetrug, also Freispruch“, plädierte hingegen der verteidigende Rechtsanwalt Giuseppe Olivo. Zwar habe sein Mandant das Mobiltelefon mehrfach aufgeladen und dazu die Daten der früheren Mitbewohner verwendet, dabei aber seine eigenen Daten nicht verschleiert. Außerdem haben die Geschädigten die nicht von ihnen selbst getätigten Einkäufe erkannt und die Gesamtkosten von 150 Euro rechtzeitig stornieren können. Darüber hinaus habe der derzeit bei einem Kommunikationsunternehmen tätige Mann die Taten vollumfänglich gestanden.

„Wir hatten Probleme miteinander und deshalb wollte ich mich rächen“, begründete der Angeklagte sein Tun. Es sei doch klar gewesen, dass die Geschichte mit Blick auf die angegebene eigene Mobilfunknummer rauskommt. „Ich wollte die beiden nur ärgern“, so der freigesprochene Mann, der für seine Ex-Freunde und auf deren Kosten sogar Kuchen bestellt hatte. Auch diese Aktion bleibt straffrei, da der Besteller die süßen Stücke nicht selbst in Empfang genommen und erst recht nicht selbst verspeist hat.