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30.11.2016

Bewährungsstrafe für pädophilen Ex-Lehrer

Pforzheim. Die Zeiger der Uhr im Gerichtssaal schleichen. Die Miene des Angeklagten, eines ehemaligen Lehrers einer Pforzheimer Schule, ist angespannt. Mehr als eine Stunde später als angekündigt, verliest Richter Andreas Heidrich im Prozess an der Außenstelle der Jugendschutzkammer des Landgerichts Karlsruhe, das Urteil: zweijährige Gesamtfreiheitsstrafe, ausgesetzt für vier Jahre auf Bewährung.

Peter N. (Name geändert) hat von 2007 bis 2013 sexuellen Missbrauch an Kindern – in Tateinheit mit Beschaffung jugendpornografischer Schriften, teils in Tateinheit mit Nötigung – in 53 Fällen begangen. In einigen blieb es beim Versuch. Über das Internet hat der 38-Jährige sich als Mädchen ausgegeben und Jungen im vorpubertären Alter zum Austausch von pornografischen Bildern und Videos aufgefordert. Wollten sie nicht liefern, so drohte er, Material im Netz zu veröffentlichen. Er hatte die Taten gestanden.

Ausführlich begründete Heidrich das Urteil. Zugunsten des Angeklagten sei anzumerken, dass er geständig und nicht vorbestraft sei und der Sachverständige ihm eine günstige Prognose bescheinigt hatte. Es handle sich um Delikte ohne persönlichen Kontakt, seine Drohungen habe er nicht wahr gemacht. Auch könnten keine gravierenden psychischen Folgen bei den Opfern festgestellt werden. Das Verfahren habe sich bereits über Jahre hingezogen. Diese Zeit habe Peter N. genutzt, um sich aus eigenem Antrieb in Therapie behandeln zu lassen – das habe Heidrich noch nicht erlebt. Die Wirkung einer Haftstrafe – Job- und Wohnungsverlust sowie Unterbrechung der Therapie – halte man „unterm Strich für kontraproduktiv“.

Die Bewährungszeit ist mit Auflagen verbunden. So ist Peter N. einem Bewährungshelfer unterstellt, darf seine Therapie nicht ohne Einverständnis abbrechen, keine Tätigkeit ausüben, bei der er persönlichen Kontakt zu Jugendlichen hätte, muss Orte meiden, an denen diese anzutreffen sind, jegliche Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen – persönlich oder online – ist untersagt. Zudem muss er 6000 Euro an die Beratungsstelle Lilith überweisen.

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