


Beachtlich, welch logistischer Kraftakt dem Kulturhaus Osterfeld am Samstag im Rahmen der Theaterspiele 2011 gelingt: Neben drei ganz unterschiedlichen Bühnenevents meistert das Haus auch die Aufgaben des Festival-Mittelpunkts bravourös: Die Verpflegung der mehr als 120 jugendlichen Teilnehmer im Restaurant „Comedia“ und der Lounge klappt reibungslos und für die After-Show-Party wird der Singsaal zur Diskothek.
Auf dem samstäglichen Spielplan tummeln sich zwei Amateurtheatergruppen aus Baden-Württemberg: Das blutjunge Ensemble des Vereins Jugendbühne Ostfildern zeigt im großen Saal mit „Liebe wär’ schön“ ein Stück von Sungard Rothschädel, und die Theater-AG des Otto-Hahn-Gymnasiums aus Tuttlingen bringt Shakespeares Klassiker „König Lear“ auf die Bühne des Malersaals.
In beiden Stücken geht es um „Liebe“ – oder was so alles darunter verstanden werden kann. Die knapp 20 Jugendlichen aus Ostfildern zerpflücken, reflektieren und durchleuchten den Begriff – aus der Sicht von Teenagern. Schonungslos, hoch motiviert und mit einem Schuss Selbstironie ziehen sie durch ein wahres Beziehungsdickicht, bei dem letztlich kaum Platz für Liebe und Zuneigung bleibt, sondern Sex, Geschwisterrivalität, Drogensucht, Konkurrenz, Ess-Störungen und Alkoholmissbrauch dominieren.
Natürlich wird dabei manches überzogen, doch die realen Bezüge zur aktuellen Lebenswelt der Jugendlichen sind für alle Zuschauer sofort mehr als nur nachvollziehbar.
Eine ganz besondere Leistung zeigt dabei die 21-jährige Lena Kühl, die in die Theatergruppe voll integriert ist und damit ihr Asperger-Syndrom, eine seltenen Form von Autismus, anerkennenswert überwindet. Außerdem können Lena Weitz als Junkie, Marvin Kärger als verhinderter Selbstmörder und der schlaksige Malte Böhm in einer Doppelrolle voll überzeugen.
Um die Liebe eines greisen Vaters zu seinen drei Töchtern geht es bekanntermaßen in William Shakespeares „König Lear“ – die Theater AG des Tuttlinger Otto-Hahn-Gymnasiums spielt die in einem Blutbad endende Tragödie im Malersaal nahe an der klassischen Vorlage. Natürlich scheitert der den Wahnsinn fürchtende Monarch (Raffael Firmbach) beim Versuch, Liebe zu messen – und manövriert sich selbst in die Situation eines ohnmächtigen Narren, der alles verliert, auch die drei Töchter. Allein sein etatmäßiger Hofnarr (Inka Lamparter) sieht die sich abzeichnende Katastrophe – und verschwindet bezeichnenderweise nach dem dritten Akt.
Bereits am Tag zuvor hatten junge Theatergruppen im Jugendkulturtreff Kupferdächle ihr Können unter Beweis gestellt. Mit dabei war Pforzheims „Junge Bühne 31“, die mit ihrem sozialkritischen Beitrag an den Amoklauf in Winnenden erinnerte. Mit dem 2008 uraufgeführten Stück „Isoliert! Die Geschichte eines Amokläufers“ präsentierten die Schauspieler ein unverändert aktuelles Thema.
Autor: ROBIN DANIEL FROMMER PFORZHEIM





Das lesen Abonnenten am Donnerstag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":