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28.09.2010

Bürokratie: Schreibfehler führt zu unendlicher Geschichte

PFORZHEIM. Was ein Förster im Ruhestand bei der Ummeldung seines Anhängers von Neuhausen nach Hohenwart erlebt hat, entpuppte sich als bürokratisches Ärgernis. Ein Vorgang, der in einem Tag abgewickelt sein könnte, hat wegen eines Schreibfehlers aus dem Jahr 1986 bei der Zulassungsbehörde Enzkreis zu einer Kettenreaktion von Missverständnissen geführt.

Zunächst hatten die Behörden die Nummer einer Versicherungsbestätigung bemängelt. Durch einen Schreibfehler der Versicherung fehlten zwei Nullen. Die Versicherung stellte daraufhin eine neue Bestätigung aus, aber umgemeldet wurde trotzdem nicht. Die Schalterbeamtin habe von ihm zunächst eine Einzugsermächtigung für Kfz-Steuern verlangt – für einen steuerfreien Anhänger mit grünem Kennzeichen. Wenig später sei noch die Vorlage des grünen Kennzeichens für den Plakettenwechsel nach Pforzheim angefordert worden. Der ehemalige treue Staatsdiener beschädigte beim Versuch, die Schrauben des 24 Jahre alten Anhängers zu lösen, das Kennzeichen. Die Folge: Kosten für ein Neues fielen an. Nach weiteren Irrungen und Wirrungen teilte die Zulassungsstelle Enzkreis mit, sie könne nicht helfen, da sie keine Unterlagen mehr finde. Ein Ratschlag folgte auf dem Fuße: Den Anhänger vom TÜV begutachten lassen, um festzustellen, ob er der Beschreibung im Originalbrief des Herstellers entspricht. Nun musste der gute Mann von Hohenwart zur Zulassungsstelle fahren, sein altes Kennzeichen holen, und zurück zum Anhänger nach Kieselbronn. Dann hieß es für ihn, mit dem Anhänger wieder zur Zulassungsstelle, die feststellte – alles in Ordnung. Der Ummeldung stand nun nichts mehr im Wege, aber es kam wieder zu Irritationen, weil in der Versicherungsbestätigung ein wichtiger Buchstabe fehlte. Ergebnis: Der gesamte Vorgang wurde an den Zulassungs-Service der Werkstatt unbearbeitet zurückgegeben. Nach mehr als fünf Wochen, ausgefüllt mit Telefonaten und Behördengängen – wurde der Anhänger dann doch umgemeldet, was dem Rentner Tränen der Erleichterung in die Augen trieb.

Das Landratsamt Enzkreis und die Stadt Pforzheim haben in einer gemeinsamen Stellungnahme festgestellt, dass bei der Umschreibung des 1986 beim Enzkreis zugelassenen Anhängers zur Stadt Pforzheim unterschiedliche Angaben im Fahrzeugbrief und -schein waren. Von den Mitarbeitern der Stadt Pforzheim sei die Umschreibung somit zurückgestellt worden, um zu prüfen, welche Angaben korrekt seien.

Bei der Zulassungsstelle des Enzkreises sei der alte Fahrzeugbrief nicht mehr vorhanden gewesen, so dass zur Abklärung der richtigen Fahrgestellnummer entweder ein TÜV-Bericht oder die Vorführung des Anhängers bei der Zulassungsbehörde erforderlich gewesen seien. Die Bescheinigung der Werkstatt sei nicht anerkannt worden, da es für die Identifizierung von Fahrzeugen spezielle Vorgaben des Innenministeriums Baden-Württemberg gebe.

Da die Versicherungs-Bestätigungskarte eine abweichende Fahrgestellnummer gehabt habe, habe die Zulassung nicht eingegeben werden können, weil das Zulassungsprogramm die Plausibilität der Daten im Hintergrund überprüfe.

Dass die zweite Nummer nicht angenommen werden konnte, sei auf den 1986 erfolgten Schreibfehler zurückzuführen, für den sich die Behörde entschuldigte.